Es ist wichtig, dass man in bestimmten Phasen des Lebens Prioritäten setzt und da kann der Sport leider nicht immer an erster Stelle stehen.
Ich hatte zu Beginn dieses Jahres zunächst keine hohen Erwartungen für die Triathlon-Saison 2023 und wollte nur an 1-2 Wettkämpfen teilnehmen und dabei lediglich das Ziel haben, anzukommen.
Es dauerte noch bis Ende März, Anfang April bis ich mir den Erlanger Triathlon, der Ende Juli stattfindet, als Hauptwettkampf für dieses Jahr festlegte. Daraufhin begann ich , einen Trainingsplan für die kommenden 14 Wochen bis zum Wettkampf aufzusetzen und war fest entschlossen, diesen durchzuziehen.
Zwar hatte ich in den Monaten zuvor Sport getrieben und meine Grundfitness war immer noch sehr gut, doch sich in nur 14 Wochen auf eine Mitteldistanz vorzubereiten bedeutet viel Willenskraft und ein bisschen Mut zur Lücke.
Genau am 14. Mai startete meine Vorbereitung für die Mitteldistanz und aktuell habe ich den ersten 4 Wochen Block fast hinter mir. Die erhöhte Belastung ist deutlich spürbar. Vor allem in der 3ten, der harten Woche, ging ich fast jedes Mal müde in die nächste Trainingseinheit und beendete sich doch immer mit einem kleinen Grinsen im Gesicht.
Gute 3 Wochen mit 23 Trainingseinheiten haben mir aber gezeigt, dass wenn ich weiter so trainiere, ich höchstwahrscheinlich nicht über die Ziellinie kriechen werde, sondern sie grinsend und laufen überschreite.
Aktuell befinde ich mich in meiner Jokerwoche (Regenerationswoche) in der eigentlich nur 4 lockere Einheiten mit jeweils maximal 1 Stunde stehen. Doch am Sonntag steht der erste kurze Test beim Feuchtwanger Triathlon über die Sprintdistanz an. Hier hatte ich mich eigentlich angemeldet, um den ersten Triathlon mit meiner Tochter zu bestreiten, doch leider kann sie nicht teilnehmen und so liegt es am mir, die Familienehre zu retten.
Die Wetteraussichten für Sonntag sind miserabel und meine Lust auf eine Teilnahme liegen aktuell bei 10%. Hoffentlich wird die Wetterprognose besser! Drückt mir und allen anderen Startern die Daumen.
Die Tage nach unserem unvergesslichen Kochkurs mit den Berbern ließen wir im absoluten, tiefenentspannten Urlaubsmodus ausklingen. Ausschlafen ohne Wecker, ausgiebiges Frühstücken mit Blick auf den Atlantik, stundenlange Spaziergänge am endlosen Strand von Essaouira, herrlich faules Liegen am Pool und abends das Eintauchen in die Medina, um in den versteckten Gassen grandioses marokkanisches Essen zu genießen. Es war der perfekte, sanfte Ausklang für eine Reise voller intensiver Eindrücke. Im folgenden Rückblick sind noch einmal unsere ganzen Eindrücke zu finden.
Abschalten am windumtosten Strand von Essaouira
✈️ 27 Stunden Odyssee: Wenn die Rückreise zum Abenteuer wird
Und dann war er plötzlich da – der Tag, an dem es Abschied nehmen hieß. Dass Marokko uns nicht ganz ohne ein letztes Abenteuer gehen lassen wollte, zeigte sich auf der Rückreise, die sich im Nachgang als mittelschweres, 27-stündiges Verkehrschaos entpuppte. Es begann mit einer dreieinhalbstündigen Fahrt von Essaouira zum Flughafen nach Agadir. Dort angekommen, hatte unser Flieger bereits eine Stunde Verspätung, was in einer Kettenreaktion dazu führte, dass wir unseren Anschlussflug in Zürich verpassten. Die Konsequenz: Eine ungeplante Zwischenübernachtung in der Schweiz.
Aufgewacht in der Schweiz statt in Franken
Morgens um 7:00 Uhr ging es schließlich weiter nach Frankfurt, gefolgt von einer zähen, staureichen Autofahrt zurück nach Erlangen. Nach sage und schreibe 27 Stunden Dauerreise schlossen wir endlich unsere Haustür auf. Müde? Ja, extrem. Aber konnte dieses logistische Chaos unsere wehmütigen und glücklichen Erinnerungen an Marokko trüben? Ein ganz klares: **Nein!** Wir haben diese zwei Wochen in Nordafrika in vollen Zügen aufgesaugt.
🏆 Unsere ganz persönlichen Marokko-Highlights
Wenn man uns heute nach den absoluten Meilensteinen der Reise fragt, müssen wir ein bisschen differenzieren. Sandras persönliche Top 3 spiegeln die perfekte Mischung aus orientalischer Ästhetik und authentischer Kultur wider:
1. Das Riad Numa in Marrakesch: Unsere Oase der Ruhe inmitten des wuseligen Altstadt-Dschungels. Das stilvolle Design und die herzliche Gastfreundschaft im Riad Numa haben Maßstäbe gesetzt.
Unsere absolute Wohlfühloase: Das Riad Numa
2. Die magische Stadtführung mit Hasan: Dank ihm haben wir die Souks, die versteckten Paläste und die Seele Marrakeschs auf eine Weise verstanden, wie es kein Reiseführer jemals vermitteln könnte.
Geschichte hautnah im Saaditen-Mausoleum
3. Der Berber-Kochkurs bei Essaouira: Das gemeinsame Einkaufen auf dem ungeschönten Markt und das traditionelle Kochen über offenem Feuer waren ein absolutes Fest für die Sinne.
Die Farben und Düfte Marokkos
Für mich persönlich gab es neben dem genialen Kochkurs noch ein weiteres, landschaftliches Highlight, das mir unter die Haut gegangen ist:
4. Der Ausflug ins raue Atlasgebirge: Die majestätischen Gipfel, das saftige Ourika-Tal und die imposanten Wasserfälle haben mir gezeigt, wie kontrastreich und wild die Natur Marokkos abseits der Wüsten und Städte sein kann.
Die erfrischenden Ourika-Wasserfälle im Atlasgebirge
🇲🇦 Marokko-Fazit: Ein Land, das verzaubert und sicher ist
Marokko ist ein absolut wundervolles, intensives Reiseland. Diese faszinierende, orientalische Welt zieht einen vom ersten Moment an unweigerlich in ihren Bann. Die Menschen, die wir kennengelernt haben, waren durchweg von einer tiefen, ehrlichen Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägt. Die wuseligen Märkte sind eine eigene, pulsierende Kosmologie, die endlosen Sandstrände am Atlantik laden zum Durchatmen ein und die marokkanische Küche ist mit ihren betörenden Gewürzkombinationen ein absoluter Traum für jeden Foodie.
Zuckersüße Kunstwerke in den Souks
Ein ganz wichtiger Punkt für Individualreisende: Wir haben uns zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort absolut sicher gefühlt. Selbst das viel beschriebene, lautstarke Verhandeln in den Souks war zu keiner Zeit unangenehm aufdringlich – wir haben in den zwei Wochen nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, abgezockt zu werden. Im Gegenteil: Oft endete ein Feilschen mit einem Lächeln und dem Gefühl, neue Freunde gefunden zu haben.
Feilschen auf Augenhöhe macht einfach Spaß
💡 Offen & Ehrlich: Was wir beim nächsten Mal anders machen würden
Zu einem echten, ehrlichen Reiseblog gehört aber auch die Kehrseite der Medaille. Es gab ein paar Dinge, die nicht optimal gelaufen sind und aus denen wir gelernt haben:
⚠️ Die Tücken des Magens: Obwohl wir penibel aufgepasst haben, was wir wo essen, hat es uns beide im Laufe der Reise jeweils einmal kurzzeitig mit Magenproblemen entschärft. Die Hygienestandards in Nordafrika sind schlichtweg andere als in Mitteleuropa. Selbst in gehobenen Hotels kann das den untrainierten, sensiblen deutschen Magen mal kurz aus der Bahn werfen. Eine gut sortierte Reiseapotheke ist hier absolute Pflicht!
🏨 Der Hotel-Fehler: Unser Umzug weg aus der pulsierenden Medina von Marrakesch in ein großes, anonymes Resort am Stadtrand war im Nachhinein betrachtet eine Fehlentscheidung. Wir haben gemerkt: Wir sind einfach keine klassischen Pool-Lieger. Wir brauchen das Leben vor der Tür, wollen spontan über Märkte schlendern und das authentische Treiben spüren. Wer Marokko sucht, sollte in den Medinas wohnen.
🐪 Die Wüsten-Enttäuschung: Unser Ausflug in die Agafay-Wüste war leider ein touristischer Reinfall. Wir haben einen klassischen Massen-Veranstalter erwischt, der den Trip eher als lautes Partyevent mit 30 bis 40 Teilnehmern aufgezogen hat. Das hatte leider gar nichts mit der magischen, stillen Einsamkeit zu tun, die wir uns erhofft hatten. Hier lohnt es sich definitiv, tiefer in die Tasche zu greifen und exklusive, kleinere Anbieter zu buchen.
Es sind die authentischen Momente, die bleiben
❤️ Kommen wir wieder?
Bleibt die abschließende Frage aller Fragen: Ist Marokko eine zweite Reise wert? Antwort: Ein ganz klares, lauthalses **JA!** Das Land hat uns tief berührt und fasziniert. Auch wenn es vermutlich ein bisschen dauern wird, weil unsere Reise-Bucketlist noch prall gefüllt mit vielen anderen Ländern dieser Erde ist – Marokko, du hast einen festen Platz in unseren Herzen sicher. Beslama, bis zum nächsten Mal!
Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Wenn du ein Land wirklich verstehen willst, musst du seine Küche kennenlernen – und zwar nicht nur als Gast im Restaurant, sondern mit den eigenen Händen am Herd, lerne zu kochen wie die Einheimischen. In Marokko gilt das umso mehr, denn Essen ist hier kein reines Sattwerden, sondern ein zutiefst geselliges Ritual, das Familien und Gemeinschaften zusammenbringt. Für uns war deshalb klar: Wir wollen nicht nur kulinarisch verwöhnt werden, wir wollen selbst in die Töpfe schauen!
Schon während der Reisevorbereitung in Deutschland waren wir in der ARD-Mediathek auf die großartige Dokumentation „Nix wie nach Marokko“ gestoßen. Dort wurde ein Kochkurs vorgestellt, der uns sofort fasziniert hat: Abseits der typischen Touristenpfade, in authentischer Umgebung nahe Essaouira, organisiert von der Auswandererin Claudia (Berberlands Ecotourism). Kurzentschlossen nahmen wir Kontakt zu ihr auf und buchten den „Berber-Kochkurs inklusive Marktbesuch“. Eine Entscheidung, die sich als eines der absoluten Highlights unserer gesamten Marokko-Reise herausstellen sollte.
🛒 Einkaufen wie die Locals: Markt-Abenteuer in der Medina
Am Morgen des Kochkurses holte uns Claudia zusammen mit ihrer kleinen Tochter und dem treuen Familienhund Jaha direkt an unserem Hotel ab. Die Chemie stimmte sofort. Gemeinsam fuhren wir zur Medina von Essaouira, wo wir Naima trafen, unsere wunderbare Begleiterin und kulinarische Chef-Beraterin für den Tag. Eigentlich führt der Ausflug samstags auf einen der großen, trubeligen Märkte im ländlichen Umland südlich von Essaouira. Da an diesem Tag dort aber kein Markttag war, verlegten wir das Spektakel kurzerhand auf den bunten Markt im Norden der Medina – was dem Erlebnis aber absolut keinen Abbruch tat.
Pures Leben auf dem Markt von Essaouira
Zusammen mit Naima tauchten wir tief in das bunte, laute Marktgeschehen ein, um alle frischen Zutaten für unser Mittagsmenü zu besorgen. Es war ein Fest für die Sinne: Neben altbekannten Klassikern entdeckten wir auch einheimische Gemüsesorten, die im europäischen Supermarkt völlig unbekannt sind. Naima erklärte uns geduldig jede Pflanze, feilschte gut gelaunt mit den Händlern und ließ uns immer wieder probieren.
Mit vollgepackten Taschen verließen wir die Stadt und machten uns auf den Weg Richtung Süden in die raue Haha-Region. Doch eine entscheidende Zutat fehlte uns noch für die perfekte Tajine: Das Fleisch. Dafür stoppten wir an einer kleinen, unscheinbaren Dorfmetzgerei am Straßenrand. In Europa ist Ziegenfleisch eine absolute Seltenheit, doch in Marokko – und besonders in dieser Region – ist es eine Delikatesse. Es handelt sich um spezielle Fleischziegen, die sich fast ausschließlich von den Früchten der Arganbäume ernähren. Genau das verleiht dem Fleisch später sein unvergleichlich feines, leicht nussiges Aroma.
Traditioneller Landschlachter in der Haha-Region
🏡 Herzlicher Empfang auf der Berber-Farm: Workout an der Steinmühle
Nun war unser Einkaufskorb komplett. Über holprige Schotterpisten ging es tief ins Hinterland zu einer kleinen, idyllischen Farm. Dort wurden wir von den Gastgebern Mohamed und Khadija mit strahlenden Gesichtern empfangen. Bevor auch nur ein Messer angerührt wurde, gab es natürlich das marokkanische Begrüßungsritual schlechthin: Einen frisch aufgebrühten, süßen Minztee. Dazu knabberten wir eine köstliche Mischung aus Kichererbsen, Walnüssen, Erdnüssen, Rosinen und kleinen Keksen, die wir morgens auf dem Markt zusammengestellt hatten.
Dann hieß es: Schürzen umbinden! Auf unserem ehrgeizigen Menüplan standen ein traditionell gefülltes Fladenbrot als Vorspeise, eine saftige Ziegenfleisch-Tajine mit handgemachtem Couscous als Hauptgang und erntefrisches Obst als süßer Abschluss.
Wir begannen mit der aufwendigsten Komponente: Dem Couscous. Wer hier an ein schnelles Fertigprodukt aus der Packung denkt, weit gefehlt! In der traditionellen Berber-Küche wird das Korn noch von Hand gemahlen. Zuerst wurden die Getreidekörner in der wunderschönen Außenküche über dem offenen Feuer geröstet, was ihnen ein herrlich röstiges Aroma verleiht und das Mahlen erleichtert. Danach kam eine schwere, historische Steinmühle zum Einsatz.
Die traditionelle marokkanische Außenküche
Echte Handarbeit: Erst rösten, dann mahlen
Khadija zeigte mir kurz die Technik, und dann durfte ich ran. Normalerweise machen die Touristen aus Höflichkeit nur ein paar Alibi-Umdrehungen für das Fotoalbum, bevor die Gastgeberin lächelnd übernimmt. Doch ich packte den Ehrgeiz und kurbelte die schwere Mühle volle 20 Minuten lang durch – mein sportliches Workout des Tages war damit definitiv erledigt!
Voller Körpereinsatz an der Steinmühle
🍲 Das Geheimnis der perfekten Tajine & Männer am Brotteig
Während ich schwitzte, schnippelten die Frauen das frische Marktgemüse. Eine echte Tajine erfordert Geduld, denn die Zutaten werden nicht einfach zusammengewürfelt, sondern kunstvoll geschichtet. Zuerst wanderten bestes Olivenöl, grob gehackte Zwiebeln, eine geheime Gewürzmischung und das frische Ziegenfleisch in den Lehmtopf, um langsam anzubraten. Erst danach wurde das Gemüse nach und nach pyramidenförmig darüber geschichtet.
Das Schichten der Tajine ist eine eigene Kunstform
Während die Tajine auf den glühenden Kohlen leise vor sich hin schmorte, widmeten wir uns dem Brotteig. Aus zwei Mehlsorten, Hefe, Salz und Wasser hieß es nun: kräftig kneten. Als ich beiläufig erzählte, dass ich auch zu Hause in Deutschland unser Brot selbst backe, passierte etwas Herrliches: Khadija schaute mich erst ungläubig, fast ein wenig skeptisch an. In der traditionellen Kultur der Berber ist das Brotbacken eine reine, stolze Frauensache. Doch als sie sah, mit welchen geübten Griffen ich den Teig bearbeitete, wich ihre Skepsis einem anerkennenden, breiten Lächeln und sie überließ mir bereitwillig das Feld.
Während der Teig ruhte, bereiteten wir die Füllung für die Vorspeisen-Fladenbrote zu: Eine herrlich würzige Mischung aus Bergen von Zwiebeln, frischem Koriander und aromatischen Gewürzen.
Kneten unter den wachsamen Augen der Meisterin
Danach setzten wir der Tajine die Krone auf: Kartoffeln, saftige Tomaten, eine feurige Peperoni und frische Petersilie bildeten die letzte Schicht, bevor der charakteristische, kegelförmige Deckel für die finale Garzeit geschlossen wurde.
Die würzige Zwiebel-Koriander-Füllung
Die Tajine ist bereit für das Kohlebecken
Khadija siebte in der Zwischenzeit das von mir mühsam gemahlene Getreide. Das gröbere Schrot hoben wir für den Couscous auf. Das seidenfeine Mehl hingegen wurde sofort mit etwas gutem Olivenöl und einer Prise Salz zu einer kleinen, rohen Zwischenmahlzeit verrührt – eine bei den Berbern unglaublich beliebte, nahrhafte Speise. Den genauen Namen habe ich im Trubel leider vergessen, aber der nussige Geschmack war fantastisch!
Traditionelles Sieben des frisch gemahlenen Korns
Als nächstes stand das Formen der Brotfladen an. Was bei Khadija spielend leicht und harmonisch aussah, entpuppte sich als echter Endgegner. Der Teig klebte, wollte nicht so wie wir, aber am Ende schafften Sandra und ich es immerhin, zwei halbwegs kreisrunde, flache Fladen zu formen. Drei dieser Fladen wurden üppig mit der Zwiebel-Mischung belegt, mit einem zweiten Teigfladen abgedeckt und an den Rändern kunstvoll verzwirbelt.
Formen und Füllen der traditionellen Fladenbrote
Bevor es an das heiße Feuer ging, sammelten wir alle Gemüseabschnitte und Schalen penibel ein. Auf dieser Farm wird absolut nichts verschwendet! Die „Küchenabfälle“ waren ein Festmahl für den Esel und das Pferd der Familie, die uns schon sehnsüchtig am Gatter erwarteten. Eine wunderbare, gelebte Nachhaltigkeit.
Nachhaltige Resteverwertung: Die Vierbeiner freut es!
Gebacken wurde stilecht in einem kleinen, traditionellen Lehmofen im Freien. Auf einem glühend heißen Stein mitten in der lodernden Holzglut wurden die Brote nacheinander gebacken. Wieder schaute ich gebannt zu, bevor ich das hölzerne Werkzeug selbst übernehmen durfte. Den gefüllten, schweren Fladen elegant auf den Stein zu befördern und mit langen Stöcken im Ofen sachte zu drehen, erforderte echte Konzentration. Es war mörderisch heiß vor der Glut, und ich war heilfroh (und ein bisschen stolz), als mein Brot perfekt gebräunt war und Khadija wieder übernahm.
🍽️ Das große Finale: Ein Festmahl für die Sinne
Endlich war es soweit – die Stunde der Wahrheit schlug. Wir schnitten die dampfenden, gefüllten Fladenbrote an. So simpel die Zutaten auch waren, der Geschmack war schlichtweg umwerfend! Die Süße der geschmorten Zwiebeln in Kombination mit den Kräutern und dem rauchigen Aroma des Steinofens war eine Offenbarung. Ich hätte mich am liebsten exklusiv an der Vorspeise sattgegessen, musste mich aber zwingen aufzuhören, um Platz für das absolute Prachtstück zu lassen.
Das fertige, göttliche gefüllte Fladenbrot
Als Khadija den schweren Lehmdeckel der Tajine hob, strömte uns ein unbeschreiblich köstlicher Duft entgegen. Das Gemüse war butterweich, das Argan-Ziegenfleisch so zart, dass es förmlich vom Knochen fiel, und der handgemahlene Couscous hatte die perfekte Textur. Es schmeckte einfach himmlisch. In diesem Moment spürten wir es wieder ganz deutlich: Wenn man einfache, ehrliche Zutaten mit viel Liebe und den eigenen Händen verarbeitet, entstehen die allerbesten Gerichte der Welt.
Die dampfende, perfekte Berber-Tajine
Stolze und glückliche Köche vor dem Festmahl
Als Dessert reichte uns Khadija frisch ausgelöste Granatapfelkerne, Weintrauben und Mandarinen aus der Region, deren Erntesaison gerade erst begonnen hatte. Diese Früchte hatten eine intensive, sonnengereifte Süße, die man mit importiertem Supermarktobst in Deutschland überhaupt nicht vergleichen kann.
Sonngereifter, süßer Nachtisch
Am späten Nachmittag hieß es schließlich Abschied nehmen von unseren herzlichen Gastgebern. Es war ein tief beeindruckendes Erlebnis und genau die Art zu reisen, die wir lieben: Ganz nah an den Menschen, hautnah in ihrer Kultur, ohne Barrieren und fernab des unpersönlichen Massentourismus. Claudia hat hier ein absolut großartiges, authentisches Projekt auf die Beine gestellt, und Naima hat uns mit ihrem enormen Wissen perfekt durch den Tag geleitet. Ein absolutes Must-Do für jeden, der die Region Essaouira besucht!
Ein riesiges Dankeschön an Claudi, Naima, Khadija und Mohamed für diesen unvergesslichen Tag, der uns Marokko noch ein großes Stück nähergebracht hat.
Mit diesen wunderbaren kulinarischen Erinnerungen im Gepäck neigt sich unsere Reise langsam dem Ende zu. Im nächsten und letzten Beitrag ziehen wir ein ganz persönliches Fazit über dieses faszinierende Land der Gegensätze.
Abschied nehmen von Marrakesch fiel uns nicht leicht, doch das nächste Abenteuer wartete bereits an der Atlantikküste auf uns. Unser Ziel: Das geschichtsträchtige, windumtoste Küstenstädtchen Essaouira. Doch schon der Weg dorthin hielt ein absolutes marokkanisches Kuriosum bereit, das man im ersten Moment kaum glauben mag, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht.
🐐 Kletterkünstler im Geäst: Die fliegenden Ziegen Marokkos
Mitten im Nirgendwo passierten wir ein Phänomen, das auf Instagram weltberühmt ist: Ziegen, die wie Vögel seelenruhig in den Baumkronen balancieren. Direkt an der Hauptstraße ist das Ganze natürlich eine perfekt inszenierte Touristenattraktion – die Bauern lassen sich das Fotografieren ihrer tierischen Akrobaten gerne mit ein paar Dirham entlohnen. Fährt man jedoch etwas abseits der Routen, sieht man das Spektakel auch völlig ungestellt in der wilden Natur. Doch warum klettern Huftiere freiwillig auf Bäume? Des Rätsels Lösung ist pure Kulinarik: Die Ziegen sind verrückt nach den gelben Früchten des Arganbaums und klettern wagemutig bis in die Spitzen, um an die Leckereien zu gelangen.
Ziegen auf einem Argan-Baum
Der Arganbaum (Argania spinosa) selbst ist ein faszinierendes Gewächs und ein wahrer Überlebenskünstler. Er wächst weltweit ausschließlich im Südwesten Marokkos. Selbst in extremen, jahrelangen Dürreperioden verliert er kaum sein sattes Grün. Das Geheimnis? Seine Wurzeln bohren sich bis zu 35 Meter tief in die Erde, um an die letzten Wasserreserven zu gelangen. Für die lokale Bevölkerung, insbesondere die Frauenkooperativen, ist der Baum die wichtigste Lebensgrundlage: Aus den steinharten Kernen der Arganfrucht wird in mühsamer Handarbeit das kostbare, flüssige Gold Marokkos gewonnen – das weltberühmte Arganöl.
🌊 Meerblick, Kamelritte und ein ehrlicher Blick auf das Plastikproblem
Nach gut drei Stunden Fahrt erreichten wir endlich Essaouira. Kaum hatten wir unser Hotelzimmer bezogen, hielt uns nichts mehr drinnen: Es zog uns magisch an den Strand. Obwohl wir gut 20 Minuten Fußmarsch durch die Stadt zurücklegen mussten, entschädigte der erste Blick auf den Atlantik jeden einzelnen Schritt. Was für eine Kulisse! Der Strand von Essaouira gilt mit seinen stolzen fünf Kilometern Länge als einer der schönsten und weitläufigsten im ganzen Land.
Der endlose Essaouira Beach
Eine ausgiebige Strandwanderung war für uns natürlich absolute Pflicht. Während uns der stetige, kräftige Passatwind die Haare zerzauste, genossen wir die unglaubliche Weite. Links das tiefblaue, wilde Meer, rechts Touristen, die auf Kamelen und Pferden im Galopp durch den Sand ritten, während in der Ferne ein paar Quad-Fahrer ihre Runden drehten.
Kamel-Tour am Strand
Doch wo Licht ist, ist leider auch Schatten – und zu einem ehrlichen Reisebericht gehört auch die Kehrseite. Beim Spaziergängen entlang der Flutkante fiel uns auf, wie viel Plastikmüll vom Atlantik angeschwemmt wird. Das trübte die Urlaubsstimmung stellenweise ein wenig. Überhaupt ist das Thema Abfall eine der größten Herausforderungen des modernen Marokkos. Wir haben im Laufe der Reise leider oft gesehen, dass der Umgang mit Müll sehr lax gehandhabt wird: Unrat wird wild in der Landschaft abgekippt oder einfach am Straßenrand verbrannt – was in Marokko sogar legal ist. Hier stehen der König, die Regierung und die Gesellschaft sicherlich noch vor einer gewaltigen Mammutaufgabe in Sachen Umweltschutz.
Die wilde Schönheit des Atlantiks
🏰 Die Medina von Essaouira: Entspanntes Flair und Ziegenköpfe
Nach dem Strandausflug tauchten wir abends in die historische Altstadt (Medina) ein. Wer das laute, hektische und teils stressige Marrakesch im Kopf hat, atmet in Essaouira sofort auf. Die Medina hier ist vollkommen anders: Die Gassen sind breiter, die blau-weißen Häuserfronten versprühen maritimes, fast portugiesisches Flair und das gesamte Treiben ist um ein Vielfaches ruhiger, jünger und beschaulicher – aber keinen Deut weniger sehenswert!
ChribathayRampart MogadorPharmacies HamadSahat bab dokkala
Ein echter Geheimtipp für Entdecker ist der Spaziergang entlang der **Avenue Mohamed Zerktouni**, die sich schnurgerade nach Norden zieht. Während der untere Teil noch fest in der Hand von Souvenirläden und Kunsthandwerkern ist, verändert sich die Straße auf dem letzten Drittel komplett. Man überschreitet eine unsichtbare Grenze und steht mitten auf dem echten, ungeschönten Markt der Einheimischen. Hier pulsierte das pure Leben! Von kunterbunten Pyjamas über bergeweise frische Minze bis hin zu – für europäische Augen gewöhnungsbedürftigen – abgezogenen Ziegenköpfen beim Metzger gibt es hier absolut alles zu kaufen. Ein Fest für die Sinne und ein großartiger Einblick in den marokkanischen Alltag.
Impressionen vom authentischen Markt in Essaouira
Zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages zog es uns auf den belebten **Place Moulay El Hassan**. Es ist der perfekte Ort, um sich einfach in ein Café zu setzen, das bunte Treiben an sich vorbeiziehen zu lassen und den spektakulären Sonnenuntergang über dem Atlantik zu bewundern. Wenn der Himmel sich in tiefes Orange färbt und die Möwen über den alten Festungsmauern kreisen, entfaltet Essaouira eine ganz eigene, fast melancholische Magie. Ein nächtlicher Streifzug durch die sanft erleuchteten Lehmgassen rundete diesen perfekten ersten Tag an der Küste ab.
Sonnenuntergang EssaouiraNächtlicher Streifzug durch die Medina
Wenn man eine Reise nach Marokko bucht, steht ein Erlebnis ganz weit oben auf der Bucket List: Einmal den Zauber der Wüste erleben. Die unendliche Stille, das Farbspiel im Sand und ein Abendessen unter dem sternenklaren Wüstenhimmel. Auch wir hatten uns diesen Traum fest vorgenommen und ein exklusives Abendessen in der Agafay-Wüste gebucht. Doch wie es auf Reisen manchmal so ist, läuft nicht immer alles nach Plan – und wir erwischten mit dem Anbieter Maroc Excursions leider einen absoluten Fehlgriff.
Zu allem Überfluss schlug am Tag des Ausflugs auch noch das berühmt-berüchtigte Reisedilemma zu: Mich hatte die klassische Magen-Darm-Hexe eiskalt erwischt. Während ich also das Riad-Zimmer hütete und eine unfreiwillige Date-Night mit der Toilette (🚽) verbrachte, musste meine tapfere Frau Sandra die Tour wohl oder übel ganz alleine antreten. Rückblickend war das für mich vielleicht sogar ein Segen im Unglück…
🏜️ Die Agafay-Wüste: Landschaftsträumerei trifft auf Transfer-Chaos
Schon der Start der Tour war alles andere als entspannt. Der organisierte Transfer entpuppte sich als reines Chaos. Der Fahrer schien den Begriff „Wüstenrallye“ etwas zu wörtlich zu nehmen, raste wie der Henker über die Straßen und glänzte dabei mit absoluter Unfreundlichkeit. Sandras Nerven lagen blank, noch bevor die ersten Dünen in Sicht kamen.
Dafür entschädigte zumindest die Natur: Die Agafay-Wüste ist landschaftlich ein absoluter Traum. Sie liegt etwa dreißig Kilometer südlich von Marrakesch auf den ersten sanften Ausläufern des mächtigen Hochatlas-Massivs und erstreckt sich über mehrere hundert Hektar. Wer hier allerdings riesige Sanddünen wie in der Sahara erwartet, wird überrascht: Die Agafay ist eine reine Stein- und Geröllwüste. Inmitten einer sanft hügeligen Landschaft leuchten die Steine in surrealen Nuancen, die je nach Sonnenstand von strahlendem Weiß über sanfte Ockertöne bis hin zu einem tiefen, glutvollen Dunkelrot wechseln.
Camp in der Agafay-Wüste
Massenabfertigung statt Wüstenromantik
Im wunderschön hergerichteten Wüstencamp angekommen, konnte Sandra zu Beginn noch ein wenig die Seele baumeln lassen und die spektakuläre Weite aufsaugen. Doch die Idylle hielt nicht lange an. Minivan um Minivan rollte an und das Camp füllte sich zusehends mit fast 40 Touristen aus aller Herren Länder. Das versprochene „ruhige, traditionelle Abendessen im intimen Kreis“ mutierte im Laufe des Abends zu einer lauten, wuseligen Party. Wer genau das sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Wenn man sich jedoch auf einen romantischen, stillen Abend voller marokkanischer Traditionen eingestellt hat, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.
Sandra versuchte tapfer, das Beste aus der Situation zu machen und den spektakulären Feuerzauber bei Nacht zu genießen – letztlich aber vergebens. Der Rücktransfer mitten in der Nacht war ähnlich chaotisch und rücksichtslos wie die Hinfahrt. Nach knapp sechs Stunden war sie heilfroh, als sie endlich wieder die beruhigende Schwelle unseres Riads passierte. Unser Fazit: Augen auf bei der Veranstalterwahl in der Agafay-Wüste!
Feuerzauber bei Nacht
🕌 Zurück in Marrakesch: Die Koutoubia-Moschee und das Finale in den Souks
Glücklicherweise war mein Magen am nächsten Morgen wieder besänftigt, sodass wir an unserem letzten Tag in Marrakesch noch einmal gemeinsam auf Entdeckungstour gehen konnten. Unser Ziel: Das historische Herz der Medina.
Bisher hatten wir das stolze Wahrzeichen der Stadt immer nur aus der Ferne bewundert, doch heute wollten wir endlich direkt davorstehen: an der majestätischen **Koutoubia-Moschee**. Das imposante, 77 Meter hohe Minarett ist der Orientierungspunkt schlechthin in Marrakesch – kein Gebäude in der Neustadt darf es an Höhe überragen.
Koutoubia-Moschee
Geschichtlicher Hintergrund: Die Koutoubia-Moschee stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist damit eine der ältesten Moscheen des Landes. Ein absolutes Meisterwerk der almohadischen Architektur! Unglaubliche 25.000 Gläubige finden in ihrem Inneren Platz. Wie fast überall in Marokko gilt jedoch: Der Zutritt zum Innenraum ist ausschließlich Muslimen vorbehalten. Abdullah hatte uns aber bereits verraten, dass das Innere bewusst sehr schlicht und schnörkellos gehalten ist – so wird kein Gläubiger beim Gebet abgelenkt.
Feilschen wie die Profis – Souvenirjagd in den Souks
Nach diesem kulturellen Stopp stürzten wir uns ein letztes Mal ins bunte Labyrinth der Souks. Und siehe da: Nach all den Tagen fühlten wir uns zwischen den engen Gassen, den bunten Lampen und den Gewürzhaufen schon fast wie Einheimische. Die anfängliche Überforderung war verflogen und wir waren bereit für die Jagd nach den perfekten Mitbringseln.
Eingang in die Souks
Beim Stöbern machte ich sogar Bekanntschaft mit einem Händler, der prompt zu meinem „neuen besten Freund“ avancierte. Ob er sich am Ende einfach nur über mein Geld gefreut hat? Gut möglich! 😂 Aber das gehört hier einfach zum guten Ton. Wir haben fair, ausgiebig und mit einem breiten Lächeln gehandelt. Am Ende habe ich garantiert immer noch ein bisschen zu viel bezahlt – aber ich hatte genau den Preis erzielt, den ich mir vorher im Kopf als Limit gesetzt hatte. Und der Spaß beim Feilschen war ohnehin unbezahlbar.
Feilschen in den Souks
Unsere wichtigste Erkenntnis aus den Souks: Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht – völlig egal, ob wir am Ende etwas gekauft haben oder nicht. Das Geheimnis ist simpel: Bleibt immer respektvoll, lächelt und ein freundliches „Schukran“ (Danke) auf den Lippen öffnet in Marokko sprichwörtlich Welten. 🇲🇦
Zum krönenden Abschluss unseres Marrakesch-Abenteuers gab es natürlich noch einen Pflichtstopp bei unserem absoluten Lieblings-Pâtissier mitten in den Souks. Der gute Mann kennt uns mittlerweile schon so gut, dass wir fast per Du sind. Mit einer Schachtel voller süßer, klebriger marokkanischer Köstlichkeiten im Gepäck verabschieden wir uns von dieser magischen Stadt.
Pâtissier in den Souks
Morgen lassen wir den Trubel der Großstadt endgültig hinter uns. Die Koffer sind gepackt, denn es geht an die wilde Atlantikküste in die Künstlerstadt Essaouira. Seid gespannt!
Nach zwei herrlich faulen und tiefenentspannten Tagen an unserem Hotelpool war es heute endlich Zeit, die Wanderschuhe zu schnüren. Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Vom ruhigen Mikroklima unserer Oase ging es heute auf eine spektakuläre Tagestour ins Atlasgebirge. Mit einer ganz kleinen, fast familiären Reisegruppe machten wir uns am frühen Morgen auf den Weg nach Süden, wo die mächtigen Gipfel des Hohen Atlas wie eine gigantische Kulisse hinter Marrakesch aufragen.
Auf unserem ambitionierten Plan für den heutigen Tag standen stolze fünf Täler, und der höchste Punkt unserer Route sollte uns auf fast 2.000 Meter Höhe führen. Chauffiert und begleitet wurden wir dabei von unserem fantastischen Guide Abdullah von Morocco Inspiring Tours. Er steuerte unseren Minivan nicht nur absolut sicher durch die immer schmaler und abenteuerlicher werdenden Serpentinenstraßen, sondern erwies sich auch als echtes wandelndes Lexikon.
🏞️ Station 1: Das Ourika-Tal und die versteckten Wasserfälle
Nach knapp 60 Minuten Anfahrt ließen wir die staubige Ebene von Marrakesch hinter uns und erreichten das erste Highlight: das berühmte Ourika-Tal (Ourika Valley). Während draußen die Landschaft an uns vorbeizog, versorgte uns Abdullah ununterbrochen mit fesselnden Informationen über sein Heimatland, die lokalen Gebräuche und die jahrhundertealten Traditionen der Berber. Es war die perfekte Einstimmung auf das, was uns erwarten sollte.
Das Ourika-Tal ist ein faszinierender Naturraum: Durchzogen vom gleichnamigen Ourika River ist es eines der grünsten und fruchtbarsten Täler der gesamten Region. Im malerischen Bergdorf Setti Fatma hieß es dann für uns: „Aussteigen und wandern!“. Hier trafen wir auf unseren lokalen Wanderführer Abdullatif, der uns auf einer 90-minütigen Tour zu den bekannten Ourika-Wasserfällen begleitete. Er lotste uns zielsicher über schmale, teils abenteuerliche Pfade und rutschige Felsen langsam, aber stetig bergauf. Nach gut 40 Minuten schweißtreibendem Aufstieg wurden wir mit dem erfrischenden Tosen und der kühlen Gischt des Wasserfalls belohnt. Ein magischer Ort inmitten der roten Felswände!
Wanderung zu den Ourika Wasserfällen
🏔️ Station 2 & 3: Oukaimden-Tal und die Herzlichkeit auf den Höhen des Aït Farés
Wieder zurück am Minivan fuhren wir ein paar Kilometer im Tal zurück, um die steile Abzweigung ins raue Oukaimden-Tal zu nehmen. Obwohl es hier oben stellenweise noch grün blüht, wirkt die Landschaft deutlich karger und rauer. Man spürt sofort: Das Leben der Menschen in diesen abgelegenen Bergdörfern ist hart und beschwerlich. Umso schöner war eine Beobachtung am Wegesrand: Unser Guide Abdullah, der diese Route regelmäßig fährt, kennt die lokalen Familien und Kinder in- und auswendig. Sobald sein markanter Van in Sicht kam, rannten die Kinder strahlend auf uns zu. Abdullah nutzt diese Touren immer, um ein kleines bisschen zu helfen – mal bringt er den Kids Süßigkeiten mit, ein anderes Mal dringend benötigte Schulmaterialien wie Stifte und Papier. Ein unheimlich berührender Moment gelebter Menschlichkeit! 🎒✨
Wir folgten den Serpentinen immer weiter hinauf in die Wolken und erreichten schließlich im malerischen Aït Farés Tal den absoluten Scheitelpunkt unserer Tour auf fast 2.000 Metern Höhe. Die Ausblicke auf die weiten, terrassierten Hänge der Berbergemeinden waren schlicht atemberaubend.
Aït Farés Tal
Echtes Leben: Gastfreundschaft in einem Berbshaus
Hier oben im Aït Farés Tal erwartete uns eine ganz besondere Einladung: Ein traditionelles Mittagessen bei einer einheimischen Berberfamilie in ihrem Lehmhaus. Manchmal plagt einen bei solchen organisierten Stopps ja das leise Gefühl von künstlicher Kommerzialisierung – doch das ist hier völlig unbegründet. Abdullah erklärte uns, dass die Einnahmen aus diesen Besuchen direkt und ohne Abzüge an die Familien gehen. Es ist nachhaltiger sanfter Tourismus, der es den Familien ermöglicht, sich fließendes Wasser, Solarstrom und Bildung zu finanzieren.
Das Essen selbst war ein absoluter Traum aus Tausendundeiner Nacht: Es gab eine wärmende, würzige Suppe, frische Salate, eine dampfende Berber-Tajine (ein traditioneller Schmorteintopf mit zartem Fleisch und Gemüse), duftenden Couscous, süßes erntefrisches Obst und natürlich den allgegenwärtigen, rituell eingeschenkten Minztee. Wir alle haben die tiefe, ehrliche Herzlichkeit dieser Familie unglaublich genossen.
Mittagessen bei einer Berberfamilie
Gut zu wissen: Die Berber nennen sich selbst eigentlich Amazigh (Plural: Imazighen), was übersetzt „freie Menschen“ bedeutet. Ihre Kultur und Sprache sind wesentlich älter als die arabische Prägung Marokkos, und ihre traditionellen Lehmhäuser (Ksars) sind perfekt an die extremen klimatischen Bedingungen des Hochgebirges angepasst – sie kühlen im Sommer und wärmen im eisigen Winter.
🪵 Station 4 & 5: Das karge Asni-Tal und der Weg zurück in die Ebene
Frisch gestärkt machten wir uns an den Abstieg, um die letzten zwei Täler zu erkunden. Das vierte Tal, das **Asni-Tal** (Asni Valley), zeigte uns wieder ein völlig anderes Gesicht. Hier dominiert eine sehr karge, felsige Landschaft. Oberflächenwasser sucht man in den trockenen Monaten vergeblich; das kostbare Nass wird mühsam aus tiefen Brunnen und Quellen nach oben gepumpt. Je weiter sich die Straße nun bergab schlängelte, desto spürbarer kletterte die Temperaturanzeige im Auto wieder nach oben.
Asni Tal
Ein witziges Detail am Rande: Unterwegs begegneten wir skurrilen Verkehrsmitteln – wer braucht schon ein klassisches gelbes Taxi, wenn man den Transport im ländlichen Marokko auch stilecht und tiefenentspannt im Beiwagen lösen kann? Flexibilität ist hier eben alles! 🐪🚗
Taxi!?
Durch das fünfte und letzte, namenlose Tal öffnete sich schließlich wieder die riesige, flache Ebene, in der auch das rote Marrakesch liegt. Nach gut acht intensiven, staubigen und absolut unvergesslichen Stunden voller Kontraste im Atlasgebirge erreichten wir abends wieder unser Hotel. Dieser Tagesausflug hat tiefe Spuren hinterlassen – an die wilden Landschaften und die ehrliche Herzlichkeit der Menschen werden wir sicherlich noch sehr lange zurückdenken.
Ein Tag voller Sightseeing in Marrakesch lag vor uns. Nach einem wundervollen Frühstück in unserem Riad, holte uns um 10:00 Uhr unser Guide Hasan ab. Hasan würde uns heute durch die Souks führen und noch viel weitere Sehenswürdigkeiten in Marrakesch zeigen.
Gestern noch in den engen Gassen orientierungslos umhergeirrt ging es heute durch die unterschiedlichsten Teile der Souks und Hasan erklärte uns viele kleine Details, welche wir ohne einen Guide niemals erfahren hätten. Wenn man hier mit einem Guide unterwegs ist, ist ein riesiger Vorteil, dass nicht ständig jemand versucht einen in seinen Laden zu locken.
Souks
Nachdem wir fast 1,5 Stunden in den Souks unterwegs waren, ging es zur Medersa Ben Youssef, einer früheren Koranschule. Das mit bunten Zellij-Fliesen, stuckierten Torbögen und feinem Stuck verzierten Gebäude läd zum verweilen ein. Dieser Ort strahlt eine unwahrscheinliche Ruhe aus und man kann sich gar nicht vorstellen wie hier früher bis zu 300 Koranschüler lernten und lebten.
Als nächstes stand das Palais Bahia auf dem Programm, ein Palais, welches von einem Großwesir für seine schöne Frau gebaut wurde. Eigentlich hatte er 4 Frauen doch die eine verehrte er am meisten und so bekam sie auch die prunkvollsten Gemächer im Palais. Ein Traum sind die maurischen Innenhöfe mit ihren vielen unterschiedlichen Pflanzen.
Vor dem Mittagessen ging es dann in die Neustadt, um dort das Saaditen-Mousole zu besichtigen. Wenn man das Mausoleum und die Gräber dort sieht, fragt man sich zuerst wie dort ein Mensch drin begraben sein soll. Hasan erklärte uns jedoch wie Muslim beerdigt werden und dann war glar warum die Gräber keine 50cm breit sind.
Saaditen-Mousole
Auf dem Weg zu unserem persönlichen Highlight des Tages, kamen wir noch an einem der imposanten Stadttore vorbei.
Zum Abschluss des Tages ging es dann zum Majorelle-Garten. Dieser wunderschöne botanische Garten vom französischen Maler Jacque Majorelle ist ein Traum, wenn man die Farbe blau mag.
Nach 7 Stunden erreichten wir wieder unser Riad und nach einer kurzen Pause stürzten wir uns gleich wieder in das Gewühl der Souks und des Jemaa el-Fna.
Nachdem die Koffer endlich gepackt sind und der Alltag in weite Ferne rückt, ist es Zeit für ein neues Abenteuer. Endlich Urlaub – und endlich mal wieder die Gelegenheit, ein für uns völlig neues Land zu entdecken, das schon so lange auf unserer Wunschliste stand.
Vor uns liegen 15 Tage Marokko, inklusive Marrakesch. Eine halbe Ewigkeit, könnte man meinen, und doch viel zu kurz für all die Kontraste, die dieses Land bereithält. Wir haben uns bewusst viel Zeit genommen, um nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern vor allem das Land, die Kultur und die Menschen hautnah kennenzulernen. Gleichzeitig soll es aber auch eine Reise werden, bei der wir einfach mal die Seele baumeln lassen können. Kommt mit auf den Beginn unserer Reise in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht!
✈️ Die Anreise: Von Franken in den Trubel von Marrakesch
Unser Roadtrip-Abenteuer begann mitten in Franken. Mit dem Auto ging es von Erlangen zum Frankfurter Flughafen, von wo aus uns ein entspannter Direktflug mitten ins Herz Nordafrikas katapultierte. Die Anreise verlief absolut optimal und reibungslos. Schon beim Verlassen des Flugzeugs empfing uns diese ganz besondere, warme und leicht würzige Luft Marokkos. Am Flughafen Menara in Marrakesch wartete bereits unser organisierter Fahrer auf uns – ein perfekter Service, der uns den ersten Urlaubsstress direkt abnahm und uns sicher bis an den äußersten Rand der historischen Medina (der Altstadt von Marrakesch) brachte.
Flughafen Marrakesch
Wissenswertes am Rande: Der Flughafen Marrakesch-Menara gilt architektonisch als einer der schönsten Flughäfen der Welt. Die Kombination aus modernem, strahlend weißem Beton und den traditionellen arabischen Mustern an den Fassaden ist ein echter Hingucker und filtert das gleißende Sonnenlicht auf faszinierende Weise.
Orientierungslos im Labyrinth der Medina
Sobald man die Stadtmauern der Medina passiert, betritt man eine völlig andere Welt. Echte Autos sind in den engen, verwinkelten Gassen absolut tabu – und das aus gutem Grund! So stand am Treffpunkt bereits ein älterer, freundlicher Herr mit einem Handkarren für uns bereit. Er lud routiniert unser Gepäck auf und bedeutete uns, ihm zu folgen. Was dann folgte, war ein echter Crashkurs in Sachen Marrakesch: Wir hatten nach exakt zwei Minuten jegliche Orientierung verloren. Zwischen knatternden Mopeds, Eselkarren, bunten Marktständen und unzähligen Abzweigungen folgten wir brav und im Stechschritt unserem „Gepäck-Guide“. Und plötzlich, als wir dachten, wir finden nie wieder heraus, standen wir vor der unscheinbaren Tür unseres Zuhauses auf Zeit.
Hinter der schweren Holztür unseres Riad öffnete sich eine völlig neue Welt. Das Riad Numa ist eine absolute Oase inmitten des lauten, quirligen Trubels der Altstadt. Kaum ist die Tür zu, herrscht eine fast magische Stille. Das typisch marokkanische Innenhof-Design mit plätscherndem Wasser und viel Grün lässt den Puls sofort heruntersinken.
Zur Begrüßung gab es direkt die traditionelle marokkanische Gastfreundschaft: einen frisch gebrühten, süßen marokkanischen Minztee (der hier scherzhaft auch „Berber-Whisky“ genannt wird) und köstliches Gebäck. Mauro, unser fantastischer Gastgeber, nahm sich unglaublich viel Zeit für uns. Mit einer Engelsgeduld erklärte er uns auf der Karte die wichtigsten Highlights, Geheimtipps und Verhaltensregeln für die nächsten Tage.
Dinge, die vielleicht nicht jeder weiß: Das Wort „Riad“ stammt vom arabischen Wort für „Garten“ (riyāḍ) ab. Traditionell haben diese Häuser keine Fenster nach außen zur Straße, sondern alle Räume öffnen sich zu einem zentralen Innenhof mit einem Garten oder Innenpool. Das schützte die Privatsphäre der Familien vor Blicken und sorgt zudem für ein angenehmes, kühles Mikroklima im heißen Sommer.
Erste Entdeckungen rund um den Place des Épices
Viel Zeit zum Ausruhen wollten wir uns aber nicht gönnen. Für den restlichen Nachmittag stand zumindest noch ein kleiner, vorsichtiger Rundgang durch den nahegelegenen Teil der Medina auf dem Plan. Natürlich immer mit der leisen Hoffnung im Hinterkopf, den Rückweg zum Riad ohne fremde Hilfe wiederzufinden! 🗺️
Unser Weg führte uns schnell zum berühmten Place des Épices (dem Gewürzmarkt). Hier schlagen einem die Düfte von Kreuzkümmel, Zimt, Safran und frischer Minze direkt entgegen. Der Platz ist etwas überschaubarer und entspannter als der riesige, weltbekannte Djemaa el Fna, versprüht aber einen ganz besonderen, authentischen Charme.
Place Des EpicesCafé Des Épices
Insider-Tipp: Die Dachterrassen der kleinen Cafés und Restaurants rund um den Platz sind ein absoluter Traum! Wir haben uns im berühmten Café des Épices niedergelassen. Von hier oben hat man bei einem kühlen Drink einen fantastischen, Logen-artigen Blick auf das wuselige Treiben der Händler und Handwerker unter uns, während im Hintergrund langsam die Sonne untergeht.
🍽️ Kulinarischer Höhepunkt über den Dächern
Das absolute Highlight des Tages erwartete uns jedoch am Abend. Wir hatten uns entschieden, auf der privaten Dachterrasse unseres eigenen Riads zu essen. Eigentlich dachten wir nur an eine kleine, leichte Stärkung nach der Reise – doch die Küche des Riads hat uns komplett umgehauen und mit einem traditionellen, mehrgängigen Festmahl überrascht.
Morocco Menu
Unser exquisites marokkanisches Menü sah so aus:
Morocco Menu
• Tris of Moroccan salads: Eine Auswahl dreier traditioneller, fein gewürzter marokkanischer Salate (oft aus gekochtem Gemüse wie Auberginen-Zaalouk oder marinierten Karotten).
• Tajine Kefta: Herzhafte Hackfleischbällchen, sanft geschmort in einer aromatischen Tomatensauce und perfekt pochierten Eiern obendrauf.
• Moroccan Beef Tajine: Butterzartes Rindfleisch, raffiniert kombiniert mit der Süße von Pflaumen und dem Crunch von gerösteten Mandeln – eine absolute Geschmacksexplosion!
• Vegetable Tajine: Frisches, knackiges Gemüse, abgerundet mit salzigen Oliven und eingelegten Salzzitronen.
• Dessert: Ein süßer, fruchtiger Abschluss, der den Abend perfekt abrundete.
Was für ein absolut traumhafter und gelungener Start in diesen Urlaub! Mit vollen Bäuchen und dem sanften Ruf des Muezzins in den Ohren fielen wir erschöpft, aber glücklich ins Bett. Eines ist sicher: Morgen gibt es dann Sightseeing bis zum Abwinken!