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Kochen wie ein Berber mit Berbern

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Wenn du ein Land wirklich verstehen willst, musst du seine Küche kennenlernen – und zwar nicht nur als Gast im Restaurant, sondern mit den eigenen Händen am Herd, lerne zu kochen wie die Einheimischen. In Marokko gilt das umso mehr, denn Essen ist hier kein reines Sattwerden, sondern ein zutiefst geselliges Ritual, das Familien und Gemeinschaften zusammenbringt. Für uns war deshalb klar: Wir wollen nicht nur kulinarisch verwöhnt werden, wir wollen selbst in die Töpfe schauen!

Schon während der Reisevorbereitung in Deutschland waren wir in der ARD-Mediathek auf die großartige Dokumentation „Nix wie nach Marokko“ gestoßen. Dort wurde ein Kochkurs vorgestellt, der uns sofort fasziniert hat: Abseits der typischen Touristenpfade, in authentischer Umgebung nahe Essaouira, organisiert von der Auswandererin Claudia (Berberlands Ecotourism). Kurzentschlossen nahmen wir Kontakt zu ihr auf und buchten den „Berber-Kochkurs inklusive Marktbesuch“. Eine Entscheidung, die sich als eines der absoluten Highlights unserer gesamten Marokko-Reise herausstellen sollte.

Berberlands Ecotourism Logo

🛒 Einkaufen wie die Locals: Markt-Abenteuer in der Medina

Am Morgen des Kochkurses holte uns Claudia zusammen mit ihrer kleinen Tochter und dem treuen Familienhund Jaha direkt an unserem Hotel ab. Die Chemie stimmte sofort. Gemeinsam fuhren wir zur Medina von Essaouira, wo wir Naima trafen, unsere wunderbare Begleiterin und kulinarische Chef-Beraterin für den Tag. Eigentlich führt der Ausflug samstags auf einen der großen, trubeligen Märkte im ländlichen Umland südlich von Essaouira. Da an diesem Tag dort aber kein Markttag war, verlegten wir das Spektakel kurzerhand auf den bunten Markt im Norden der Medina – was dem Erlebnis aber absolut keinen Abbruch tat.

Markt von Essaouira
Pures Leben auf dem Markt von Essaouira

Zusammen mit Naima tauchten wir tief in das bunte, laute Marktgeschehen ein, um alle frischen Zutaten für unser Mittagsmenü zu besorgen. Es war ein Fest für die Sinne: Neben altbekannten Klassikern entdeckten wir auch einheimische Gemüsesorten, die im europäischen Supermarkt völlig unbekannt sind. Naima erklärte uns geduldig jede Pflanze, feilschte gut gelaunt mit den Händlern und ließ uns immer wieder probieren.

Mit vollgepackten Taschen verließen wir die Stadt und machten uns auf den Weg Richtung Süden in die raue Haha-Region. Doch eine entscheidende Zutat fehlte uns noch für die perfekte Tajine: Das Fleisch. Dafür stoppten wir an einer kleinen, unscheinbaren Dorfmetzgerei am Straßenrand. In Europa ist Ziegenfleisch eine absolute Seltenheit, doch in Marokko – und besonders in dieser Region – ist es eine Delikatesse. Es handelt sich um spezielle Fleischziegen, die sich fast ausschließlich von den Früchten der Arganbäume ernähren. Genau das verleiht dem Fleisch später sein unvergleichlich feines, leicht nussiges Aroma.

Metzger auf dem Land
Traditioneller Landschlachter in der Haha-Region

🏡 Herzlicher Empfang auf der Berber-Farm: Workout an der Steinmühle

Nun war unser Einkaufskorb komplett. Über holprige Schotterpisten ging es tief ins Hinterland zu einer kleinen, idyllischen Farm. Dort wurden wir von den Gastgebern Mohamed und Khadija mit strahlenden Gesichtern empfangen. Bevor auch nur ein Messer angerührt wurde, gab es natürlich das marokkanische Begrüßungsritual schlechthin: Einen frisch aufgebrühten, süßen Minztee. Dazu knabberten wir eine köstliche Mischung aus Kichererbsen, Walnüssen, Erdnüssen, Rosinen und kleinen Keksen, die wir morgens auf dem Markt zusammengestellt hatten.

Dann hieß es: Schürzen umbinden! Auf unserem ehrgeizigen Menüplan standen ein traditionell gefülltes Fladenbrot als Vorspeise, eine saftige Ziegenfleisch-Tajine mit handgemachtem Couscous als Hauptgang und erntefrisches Obst als süßer Abschluss.

Wir begannen mit der aufwendigsten Komponente: Dem Couscous. Wer hier an ein schnelles Fertigprodukt aus der Packung denkt, weit gefehlt! In der traditionellen Berber-Küche wird das Korn noch von Hand gemahlen. Zuerst wurden die Getreidekörner in der wunderschönen Außenküche über dem offenen Feuer geröstet, was ihnen ein herrlich röstiges Aroma verleiht und das Mahlen erleichtert. Danach kam eine schwere, historische Steinmühle zum Einsatz.

Traditionelle marrokanische Außenküche
Die traditionelle marokkanische Außenküche

Khadija zeigte mir kurz die Technik, und dann durfte ich ran. Normalerweise machen die Touristen aus Höflichkeit nur ein paar Alibi-Umdrehungen für das Fotoalbum, bevor die Gastgeberin lächelnd übernimmt. Doch ich packte den Ehrgeiz und kurbelte die schwere Mühle volle 20 Minuten lang durch – mein sportliches Workout des Tages war damit definitiv erledigt!

Kochen an der Steinmühle
Voller Körpereinsatz an der Steinmühle

🍲 Das Geheimnis der perfekten Tajine & Männer am Brotteig

Während ich schwitzte, schnippelten die Frauen das frische Marktgemüse. Eine echte Tajine erfordert Geduld, denn die Zutaten werden nicht einfach zusammengewürfelt, sondern kunstvoll geschichtet. Zuerst wanderten bestes Olivenöl, grob gehackte Zwiebeln, eine geheime Gewürzmischung und das frische Ziegenfleisch in den Lehmtopf, um langsam anzubraten. Erst danach wurde das Gemüse nach und nach pyramidenförmig darüber geschichtet.

Die Tajine wird befüllt
Das Schichten der Tajine ist eine eigene Kunstform

Während die Tajine auf den glühenden Kohlen leise vor sich hin schmorte, widmeten wir uns dem Brotteig. Aus zwei Mehlsorten, Hefe, Salz und Wasser hieß es nun: kräftig kneten. Als ich beiläufig erzählte, dass ich auch zu Hause in Deutschland unser Brot selbst backe, passierte etwas Herrliches: Khadija schaute mich erst ungläubig, fast ein wenig skeptisch an. In der traditionellen Kultur der Berber ist das Brotbacken eine reine, stolze Frauensache. Doch als sie sah, mit welchen geübten Griffen ich den Teig bearbeitete, wich ihre Skepsis einem anerkennenden, breiten Lächeln und sie überließ mir bereitwillig das Feld.

Während der Teig ruhte, bereiteten wir die Füllung für die Vorspeisen-Fladenbrote zu: Eine herrlich würzige Mischung aus Bergen von Zwiebeln, frischem Koriander und aromatischen Gewürzen.

Herstellen des Brotteiges
Kneten unter den wachsamen Augen der Meisterin

Danach setzten wir der Tajine die Krone auf: Kartoffeln, saftige Tomaten, eine feurige Peperoni und frische Petersilie bildeten die letzte Schicht, bevor der charakteristische, kegelförmige Deckel für die finale Garzeit geschlossen wurde.

Füllung für die Fladenbrote
Die würzige Zwiebel-Koriander-Füllung

Khadija siebte in der Zwischenzeit das von mir mühsam gemahlene Getreide. Das gröbere Schrot hoben wir für den Couscous auf. Das seidenfeine Mehl hingegen wurde sofort mit etwas gutem Olivenöl und einer Prise Salz zu einer kleinen, rohen Zwischenmahlzeit verrührt – eine bei den Berbern unglaublich beliebte, nahrhafte Speise. Den genauen Namen habe ich im Trubel leider vergessen, aber der nussige Geschmack war fantastisch!

Sieben des Mehls
Traditionelles Sieben des frisch gemahlenen Korns

Als nächstes stand das Formen der Brotfladen an. Was bei Khadija spielend leicht und harmonisch aussah, entpuppte sich als echter Endgegner. Der Teig klebte, wollte nicht so wie wir, aber am Ende schafften Sandra und ich es immerhin, zwei halbwegs kreisrunde, flache Fladen zu formen. Drei dieser Fladen wurden üppig mit der Zwiebel-Mischung belegt, mit einem zweiten Teigfladen abgedeckt und an den Rändern kunstvoll verzwirbelt.

Bevor es an das heiße Feuer ging, sammelten wir alle Gemüseabschnitte und Schalen penibel ein. Auf dieser Farm wird absolut nichts verschwendet! Die „Küchenabfälle“ waren ein Festmahl für den Esel und das Pferd der Familie, die uns schon sehnsüchtig am Gatter erwarteten. Eine wunderbare, gelebte Nachhaltigkeit.

Gebacken wurde stilecht in einem kleinen, traditionellen Lehmofen im Freien. Auf einem glühend heißen Stein mitten in der lodernden Holzglut wurden die Brote nacheinander gebacken. Wieder schaute ich gebannt zu, bevor ich das hölzerne Werkzeug selbst übernehmen durfte. Den gefüllten, schweren Fladen elegant auf den Stein zu befördern und mit langen Stöcken im Ofen sachte zu drehen, erforderte echte Konzentration. Es war mörderisch heiß vor der Glut, und ich war heilfroh (und ein bisschen stolz), als mein Brot perfekt gebräunt war und Khadija wieder übernahm.


🍽️ Das große Finale: Ein Festmahl für die Sinne

Endlich war es soweit – die Stunde der Wahrheit schlug. Wir schnitten die dampfenden, gefüllten Fladenbrote an. So simpel die Zutaten auch waren, der Geschmack war schlichtweg umwerfend! Die Süße der geschmorten Zwiebeln in Kombination mit den Kräutern und dem rauchigen Aroma des Steinofens war eine Offenbarung. Ich hätte mich am liebsten exklusiv an der Vorspeise sattgegessen, musste mich aber zwingen aufzuhören, um Platz für das absolute Prachtstück zu lassen.

Gefülltes Fladenbrot serviert
Das fertige, göttliche gefüllte Fladenbrot

Als Khadija den schweren Lehmdeckel der Tajine hob, strömte uns ein unbeschreiblich köstlicher Duft entgegen. Das Gemüse war butterweich, das Argan-Ziegenfleisch so zart, dass es förmlich vom Knochen fiel, und der handgemahlene Couscous hatte die perfekte Textur. Es schmeckte einfach himmlisch. In diesem Moment spürten wir es wieder ganz deutlich: Wenn man einfache, ehrliche Zutaten mit viel Liebe und den eigenen Händen verarbeitet, entstehen die allerbesten Gerichte der Welt.

Fertige Tajine mit Ziegenfleisch
Die dampfende, perfekte Berber-Tajine
Glückliche Köche
Stolze und glückliche Köche vor dem Festmahl

Als Dessert reichte uns Khadija frisch ausgelöste Granatapfelkerne, Weintrauben und Mandarinen aus der Region, deren Erntesaison gerade erst begonnen hatte. Diese Früchte hatten eine intensive, sonnengereifte Süße, die man mit importiertem Supermarktobst in Deutschland überhaupt nicht vergleichen kann.

Frisches Obst als Nachspeise
Sonngereifter, süßer Nachtisch

Am späten Nachmittag hieß es schließlich Abschied nehmen von unseren herzlichen Gastgebern. Es war ein tief beeindruckendes Erlebnis und genau die Art zu reisen, die wir lieben: Ganz nah an den Menschen, hautnah in ihrer Kultur, ohne Barrieren und fernab des unpersönlichen Massentourismus. Claudia hat hier ein absolut großartiges, authentisches Projekt auf die Beine gestellt, und Naima hat uns mit ihrem enormen Wissen perfekt durch den Tag geleitet. Ein absolutes Must-Do für jeden, der die Region Essaouira besucht!

Ein riesiges Dankeschön an Claudi, Naima, Khadija und Mohamed für diesen unvergesslichen Tag, der uns Marokko noch ein großes Stück nähergebracht hat.


Mit diesen wunderbaren kulinarischen Erinnerungen im Gepäck neigt sich unsere Reise langsam dem Ende zu. Im nächsten und letzten Beitrag ziehen wir ein ganz persönliches Fazit über dieses faszinierende Land der Gegensätze.

Hier geht es zum nächsten Marokko Beitrag: Marokko – Ein Rückblick

Essaouira Beach vs. Medina

Abschied nehmen von Marrakesch fiel uns nicht leicht, doch das nächste Abenteuer wartete bereits an der Atlantikküste auf uns. Unser Ziel: Das geschichtsträchtige, windumtoste Küstenstädtchen Essaouira. Doch schon der Weg dorthin hielt ein absolutes marokkanisches Kuriosum bereit, das man im ersten Moment kaum glauben mag, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht.

🐐 Kletterkünstler im Geäst: Die fliegenden Ziegen Marokkos

Mitten im Nirgendwo passierten wir ein Phänomen, das auf Instagram weltberühmt ist: Ziegen, die wie Vögel seelenruhig in den Baumkronen balancieren. Direkt an der Hauptstraße ist das Ganze natürlich eine perfekt inszenierte Touristenattraktion – die Bauern lassen sich das Fotografieren ihrer tierischen Akrobaten gerne mit ein paar Dirham entlohnen. Fährt man jedoch etwas abseits der Routen, sieht man das Spektakel auch völlig ungestellt in der wilden Natur. Doch warum klettern Huftiere freiwillig auf Bäume? Des Rätsels Lösung ist pure Kulinarik: Die Ziegen sind verrückt nach den gelben Früchten des Arganbaums und klettern wagemutig bis in die Spitzen, um an die Leckereien zu gelangen.

Ziegen auf einem Argan-Baum
Ziegen auf einem Argan-Baum

Der Arganbaum (Argania spinosa) selbst ist ein faszinierendes Gewächs und ein wahrer Überlebenskünstler. Er wächst weltweit ausschließlich im Südwesten Marokkos. Selbst in extremen, jahrelangen Dürreperioden verliert er kaum sein sattes Grün. Das Geheimnis? Seine Wurzeln bohren sich bis zu 35 Meter tief in die Erde, um an die letzten Wasserreserven zu gelangen. Für die lokale Bevölkerung, insbesondere die Frauenkooperativen, ist der Baum die wichtigste Lebensgrundlage: Aus den steinharten Kernen der Arganfrucht wird in mühsamer Handarbeit das kostbare, flüssige Gold Marokkos gewonnen – das weltberühmte Arganöl.


🌊 Meerblick, Kamelritte und ein ehrlicher Blick auf das Plastikproblem

Nach gut drei Stunden Fahrt erreichten wir endlich Essaouira. Kaum hatten wir unser Hotelzimmer bezogen, hielt uns nichts mehr drinnen: Es zog uns magisch an den Strand. Obwohl wir gut 20 Minuten Fußmarsch durch die Stadt zurücklegen mussten, entschädigte der erste Blick auf den Atlantik jeden einzelnen Schritt. Was für eine Kulisse! Der Strand von Essaouira gilt mit seinen stolzen fünf Kilometern Länge als einer der schönsten und weitläufigsten im ganzen Land.

Essaouira Beach
Der endlose Essaouira Beach

Eine ausgiebige Strandwanderung war für uns natürlich absolute Pflicht. Während uns der stetige, kräftige Passatwind die Haare zerzauste, genossen wir die unglaubliche Weite. Links das tiefblaue, wilde Meer, rechts Touristen, die auf Kamelen und Pferden im Galopp durch den Sand ritten, während in der Ferne ein paar Quad-Fahrer ihre Runden drehten.

Touri-Kamel-Tour
Kamel-Tour am Strand

Doch wo Licht ist, ist leider auch Schatten – und zu einem ehrlichen Reisebericht gehört auch die Kehrseite. Beim Spaziergängen entlang der Flutkante fiel uns auf, wie viel Plastikmüll vom Atlantik angeschwemmt wird. Das trübte die Urlaubsstimmung stellenweise ein wenig. Überhaupt ist das Thema Abfall eine der größten Herausforderungen des modernen Marokkos. Wir haben im Laufe der Reise leider oft gesehen, dass der Umgang mit Müll sehr lax gehandhabt wird: Unrat wird wild in der Landschaft abgekippt oder einfach am Straßenrand verbrannt – was in Marokko sogar legal ist. Hier stehen der König, die Regierung und die Gesellschaft sicherlich noch vor einer gewaltigen Mammutaufgabe in Sachen Umweltschutz.

Essaouira Beach Müll
Die wilde Schönheit des Atlantiks

🏰 Die Medina von Essaouira: Entspanntes Flair und Ziegenköpfe

Nach dem Strandausflug tauchten wir abends in die historische Altstadt (Medina) ein. Wer das laute, hektische und teils stressige Marrakesch im Kopf hat, atmet in Essaouira sofort auf. Die Medina hier ist vollkommen anders: Die Gassen sind breiter, die blau-weißen Häuserfronten versprühen maritimes, fast portugiesisches Flair und das gesamte Treiben ist um ein Vielfaches ruhiger, jünger und beschaulicher – aber keinen Deut weniger sehenswert!

Ein echter Geheimtipp für Entdecker ist der Spaziergang entlang der **Avenue Mohamed Zerktouni**, die sich schnurgerade nach Norden zieht. Während der untere Teil noch fest in der Hand von Souvenirläden und Kunsthandwerkern ist, verändert sich die Straße auf dem letzten Drittel komplett. Man überschreitet eine unsichtbare Grenze und steht mitten auf dem echten, ungeschönten Markt der Einheimischen. Hier pulsierte das pure Leben! Von kunterbunten Pyjamas über bergeweise frische Minze bis hin zu – für europäische Augen gewöhnungsbedürftigen – abgezogenen Ziegenköpfen beim Metzger gibt es hier absolut alles zu kaufen. Ein Fest für die Sinne und ein großartiger Einblick in den marokkanischen Alltag.

Zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages zog es uns auf den belebten **Place Moulay El Hassan**. Es ist der perfekte Ort, um sich einfach in ein Café zu setzen, das bunte Treiben an sich vorbeiziehen zu lassen und den spektakulären Sonnenuntergang über dem Atlantik zu bewundern. Wenn der Himmel sich in tiefes Orange färbt und die Möwen über den alten Festungsmauern kreisen, entfaltet Essaouira eine ganz eigene, fast melancholische Magie. Ein nächtlicher Streifzug durch die sanft erleuchteten Lehmgassen rundete diesen perfekten ersten Tag an der Küste ab.


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Agafay Wüste und feilschen in den Souks

Wenn man eine Reise nach Marokko bucht, steht ein Erlebnis ganz weit oben auf der Bucket List: Einmal den Zauber der Wüste erleben. Die unendliche Stille, das Farbspiel im Sand und ein Abendessen unter dem sternenklaren Wüstenhimmel. Auch wir hatten uns diesen Traum fest vorgenommen und ein exklusives Abendessen in der Agafay-Wüste gebucht. Doch wie es auf Reisen manchmal so ist, läuft nicht immer alles nach Plan – und wir erwischten mit dem Anbieter Maroc Excursions leider einen absoluten Fehlgriff.

Zu allem Überfluss schlug am Tag des Ausflugs auch noch das berühmt-berüchtigte Reisedilemma zu: Mich hatte die klassische Magen-Darm-Hexe eiskalt erwischt. Während ich also das Riad-Zimmer hütete und eine unfreiwillige Date-Night mit der Toilette (🚽) verbrachte, musste meine tapfere Frau Sandra die Tour wohl oder übel ganz alleine antreten. Rückblickend war das für mich vielleicht sogar ein Segen im Unglück…


🏜️ Die Agafay-Wüste: Landschaftsträumerei trifft auf Transfer-Chaos

Schon der Start der Tour war alles andere als entspannt. Der organisierte Transfer entpuppte sich als reines Chaos. Der Fahrer schien den Begriff „Wüstenrallye“ etwas zu wörtlich zu nehmen, raste wie der Henker über die Straßen und glänzte dabei mit absoluter Unfreundlichkeit. Sandras Nerven lagen blank, noch bevor die ersten Dünen in Sicht kamen.

Dafür entschädigte zumindest die Natur: Die Agafay-Wüste ist landschaftlich ein absoluter Traum. Sie liegt etwa dreißig Kilometer südlich von Marrakesch auf den ersten sanften Ausläufern des mächtigen Hochatlas-Massivs und erstreckt sich über mehrere hundert Hektar. Wer hier allerdings riesige Sanddünen wie in der Sahara erwartet, wird überrascht: Die Agafay ist eine reine Stein- und Geröllwüste. Inmitten einer sanft hügeligen Landschaft leuchten die Steine in surrealen Nuancen, die je nach Sonnenstand von strahlendem Weiß über sanfte Ockertöne bis hin zu einem tiefen, glutvollen Dunkelrot wechseln.

Agafay Wüste
Camp in der Agafay-Wüste

Massenabfertigung statt Wüstenromantik

Im wunderschön hergerichteten Wüstencamp angekommen, konnte Sandra zu Beginn noch ein wenig die Seele baumeln lassen und die spektakuläre Weite aufsaugen. Doch die Idylle hielt nicht lange an. Minivan um Minivan rollte an und das Camp füllte sich zusehends mit fast 40 Touristen aus aller Herren Länder. Das versprochene „ruhige, traditionelle Abendessen im intimen Kreis“ mutierte im Laufe des Abends zu einer lauten, wuseligen Party. Wer genau das sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Wenn man sich jedoch auf einen romantischen, stillen Abend voller marokkanischer Traditionen eingestellt hat, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Sandra versuchte tapfer, das Beste aus der Situation zu machen und den spektakulären Feuerzauber bei Nacht zu genießen – letztlich aber vergebens. Der Rücktransfer mitten in der Nacht war ähnlich chaotisch und rücksichtslos wie die Hinfahrt. Nach knapp sechs Stunden war sie heilfroh, als sie endlich wieder die beruhigende Schwelle unseres Riads passierte. Unser Fazit: Augen auf bei der Veranstalterwahl in der Agafay-Wüste!

Feuerzauber bei Nacht

🕌 Zurück in Marrakesch: Die Koutoubia-Moschee und das Finale in den Souks

Glücklicherweise war mein Magen am nächsten Morgen wieder besänftigt, sodass wir an unserem letzten Tag in Marrakesch noch einmal gemeinsam auf Entdeckungstour gehen konnten. Unser Ziel: Das historische Herz der Medina.

Bisher hatten wir das stolze Wahrzeichen der Stadt immer nur aus der Ferne bewundert, doch heute wollten wir endlich direkt davorstehen: an der majestätischen **Koutoubia-Moschee**. Das imposante, 77 Meter hohe Minarett ist der Orientierungspunkt schlechthin in Marrakesch – kein Gebäude in der Neustadt darf es an Höhe überragen.

Geschichtlicher Hintergrund: Die Koutoubia-Moschee stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist damit eine der ältesten Moscheen des Landes. Ein absolutes Meisterwerk der almohadischen Architektur! Unglaubliche 25.000 Gläubige finden in ihrem Inneren Platz. Wie fast überall in Marokko gilt jedoch: Der Zutritt zum Innenraum ist ausschließlich Muslimen vorbehalten. Abdullah hatte uns aber bereits verraten, dass das Innere bewusst sehr schlicht und schnörkellos gehalten ist – so wird kein Gläubiger beim Gebet abgelenkt.

Feilschen wie die Profis – Souvenirjagd in den Souks

Nach diesem kulturellen Stopp stürzten wir uns ein letztes Mal ins bunte Labyrinth der Souks. Und siehe da: Nach all den Tagen fühlten wir uns zwischen den engen Gassen, den bunten Lampen und den Gewürzhaufen schon fast wie Einheimische. Die anfängliche Überforderung war verflogen und wir waren bereit für die Jagd nach den perfekten Mitbringseln.

Eingang in die Souks

Beim Stöbern machte ich sogar Bekanntschaft mit einem Händler, der prompt zu meinem „neuen besten Freund“ avancierte. Ob er sich am Ende einfach nur über mein Geld gefreut hat? Gut möglich! 😂 Aber das gehört hier einfach zum guten Ton. Wir haben fair, ausgiebig und mit einem breiten Lächeln gehandelt. Am Ende habe ich garantiert immer noch ein bisschen zu viel bezahlt – aber ich hatte genau den Preis erzielt, den ich mir vorher im Kopf als Limit gesetzt hatte. Und der Spaß beim Feilschen war ohnehin unbezahlbar.

Unsere wichtigste Erkenntnis aus den Souks: Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht – völlig egal, ob wir am Ende etwas gekauft haben oder nicht. Das Geheimnis ist simpel: Bleibt immer respektvoll, lächelt und ein freundliches „Schukran“ (Danke) auf den Lippen öffnet in Marokko sprichwörtlich Welten. 🇲🇦

Zum krönenden Abschluss unseres Marrakesch-Abenteuers gab es natürlich noch einen Pflichtstopp bei unserem absoluten Lieblings-Pâtissier mitten in den Souks. Der gute Mann kennt uns mittlerweile schon so gut, dass wir fast per Du sind. Mit einer Schachtel voller süßer, klebriger marokkanischer Köstlichkeiten im Gepäck verabschieden wir uns von dieser magischen Stadt.

Pâtissier in den Souks

Morgen lassen wir den Trubel der Großstadt endgültig hinter uns. Die Koffer sind gepackt, denn es geht an die wilde Atlantikküste in die Künstlerstadt Essaouira. Seid gespannt!


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Unterwegs im Atlasgebirge

Nach zwei herrlich faulen und tiefenentspannten Tagen an unserem Hotelpool war es heute endlich Zeit, die Wanderschuhe zu schnüren. Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Vom ruhigen Mikroklima unserer Oase ging es heute auf eine spektakuläre Tagestour ins Atlasgebirge. Mit einer ganz kleinen, fast familiären Reisegruppe machten wir uns am frühen Morgen auf den Weg nach Süden, wo die mächtigen Gipfel des Hohen Atlas wie eine gigantische Kulisse hinter Marrakesch aufragen.

Auf unserem ambitionierten Plan für den heutigen Tag standen stolze fünf Täler, und der höchste Punkt unserer Route sollte uns auf fast 2.000 Meter Höhe führen. Chauffiert und begleitet wurden wir dabei von unserem fantastischen Guide Abdullah von Morocco Inspiring Tours. Er steuerte unseren Minivan nicht nur absolut sicher durch die immer schmaler und abenteuerlicher werdenden Serpentinenstraßen, sondern erwies sich auch als echtes wandelndes Lexikon.


🏞️ Station 1: Das Ourika-Tal und die versteckten Wasserfälle

Nach knapp 60 Minuten Anfahrt ließen wir die staubige Ebene von Marrakesch hinter uns und erreichten das erste Highlight: das berühmte Ourika-Tal (Ourika Valley). Während draußen die Landschaft an uns vorbeizog, versorgte uns Abdullah ununterbrochen mit fesselnden Informationen über sein Heimatland, die lokalen Gebräuche und die jahrhundertealten Traditionen der Berber. Es war die perfekte Einstimmung auf das, was uns erwarten sollte.

Das Ourika-Tal ist ein faszinierender Naturraum: Durchzogen vom gleichnamigen Ourika River ist es eines der grünsten und fruchtbarsten Täler der gesamten Region. Im malerischen Bergdorf Setti Fatma hieß es dann für uns: „Aussteigen und wandern!“. Hier trafen wir auf unseren lokalen Wanderführer Abdullatif, der uns auf einer 90-minütigen Tour zu den bekannten Ourika-Wasserfällen begleitete. Er lotste uns zielsicher über schmale, teils abenteuerliche Pfade und rutschige Felsen langsam, aber stetig bergauf. Nach gut 40 Minuten schweißtreibendem Aufstieg wurden wir mit dem erfrischenden Tosen und der kühlen Gischt des Wasserfalls belohnt. Ein magischer Ort inmitten der roten Felswände!


🏔️ Station 2 & 3: Oukaimden-Tal und die Herzlichkeit auf den Höhen des Aït Farés

Wieder zurück am Minivan fuhren wir ein paar Kilometer im Tal zurück, um die steile Abzweigung ins raue Oukaimden-Tal zu nehmen. Obwohl es hier oben stellenweise noch grün blüht, wirkt die Landschaft deutlich karger und rauer. Man spürt sofort: Das Leben der Menschen in diesen abgelegenen Bergdörfern ist hart und beschwerlich. Umso schöner war eine Beobachtung am Wegesrand: Unser Guide Abdullah, der diese Route regelmäßig fährt, kennt die lokalen Familien und Kinder in- und auswendig. Sobald sein markanter Van in Sicht kam, rannten die Kinder strahlend auf uns zu. Abdullah nutzt diese Touren immer, um ein kleines bisschen zu helfen – mal bringt er den Kids Süßigkeiten mit, ein anderes Mal dringend benötigte Schulmaterialien wie Stifte und Papier. Ein unheimlich berührender Moment gelebter Menschlichkeit! 🎒✨

Guide Abdullah von Morocco Inspiring Tours
mit den Kids

Wir folgten den Serpentinen immer weiter hinauf in die Wolken und erreichten schließlich im malerischen Aït Farés Tal den absoluten Scheitelpunkt unserer Tour auf fast 2.000 Metern Höhe. Die Ausblicke auf die weiten, terrassierten Hänge der Berbergemeinden waren schlicht atemberaubend.

Echtes Leben: Gastfreundschaft in einem Berbshaus

Hier oben im Aït Farés Tal erwartete uns eine ganz besondere Einladung: Ein traditionelles Mittagessen bei einer einheimischen Berberfamilie in ihrem Lehmhaus. Manchmal plagt einen bei solchen organisierten Stopps ja das leise Gefühl von künstlicher Kommerzialisierung – doch das ist hier völlig unbegründet. Abdullah erklärte uns, dass die Einnahmen aus diesen Besuchen direkt und ohne Abzüge an die Familien gehen. Es ist nachhaltiger sanfter Tourismus, der es den Familien ermöglicht, sich fließendes Wasser, Solarstrom und Bildung zu finanzieren.

Das Essen selbst war ein absoluter Traum aus Tausendundeiner Nacht: Es gab eine wärmende, würzige Suppe, frische Salate, eine dampfende Berber-Tajine (ein traditioneller Schmorteintopf mit zartem Fleisch und Gemüse), duftenden Couscous, süßes erntefrisches Obst und natürlich den allgegenwärtigen, rituell eingeschenkten Minztee. Wir alle haben die tiefe, ehrliche Herzlichkeit dieser Familie unglaublich genossen.

Gut zu wissen: Die Berber nennen sich selbst eigentlich Amazigh (Plural: Imazighen), was übersetzt „freie Menschen“ bedeutet. Ihre Kultur und Sprache sind wesentlich älter als die arabische Prägung Marokkos, und ihre traditionellen Lehmhäuser (Ksars) sind perfekt an die extremen klimatischen Bedingungen des Hochgebirges angepasst – sie kühlen im Sommer und wärmen im eisigen Winter.


🪵 Station 4 & 5: Das karge Asni-Tal und der Weg zurück in die Ebene

Frisch gestärkt machten wir uns an den Abstieg, um die letzten zwei Täler zu erkunden. Das vierte Tal, das **Asni-Tal** (Asni Valley), zeigte uns wieder ein völlig anderes Gesicht. Hier dominiert eine sehr karge, felsige Landschaft. Oberflächenwasser sucht man in den trockenen Monaten vergeblich; das kostbare Nass wird mühsam aus tiefen Brunnen und Quellen nach oben gepumpt. Je weiter sich die Straße nun bergab schlängelte, desto spürbarer kletterte die Temperaturanzeige im Auto wieder nach oben.

Asni Tal

Ein witziges Detail am Rande: Unterwegs begegneten wir skurrilen Verkehrsmitteln – wer braucht schon ein klassisches gelbes Taxi, wenn man den Transport im ländlichen Marokko auch stilecht und tiefenentspannt im Beiwagen lösen kann? Flexibilität ist hier eben alles! 🐪🚗

Taxi!?

Durch das fünfte und letzte, namenlose Tal öffnete sich schließlich wieder die riesige, flache Ebene, in der auch das rote Marrakesch liegt. Nach gut acht intensiven, staubigen und absolut unvergesslichen Stunden voller Kontraste im Atlasgebirge erreichten wir abends wieder unser Hotel. Dieser Tagesausflug hat tiefe Spuren hinterlassen – an die wilden Landschaften und die ehrliche Herzlichkeit der Menschen werden wir sicherlich noch sehr lange zurückdenken.

5te Tal ohne Namen

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In den Souks, Moscheen und Palais von Marrakesch

Ein Tag voller Sightseeing in Marrakesch lag vor uns. Nach einem wundervollen Frühstück in unserem Riad, holte uns um 10:00 Uhr unser Guide Hasan ab. Hasan würde uns heute durch die Souks führen und noch viel weitere Sehenswürdigkeiten in Marrakesch zeigen.

Gestern noch in den engen Gassen orientierungslos umhergeirrt ging es heute durch die unterschiedlichsten Teile der Souks und Hasan erklärte uns viele kleine Details, welche wir ohne einen Guide niemals erfahren hätten. Wenn man hier mit einem Guide unterwegs ist, ist ein riesiger Vorteil, dass nicht ständig jemand versucht einen in seinen Laden zu locken.

Souks

Nachdem wir fast 1,5 Stunden in den Souks unterwegs waren, ging es zur Medersa Ben Youssef, einer früheren Koranschule. Das mit bunten Zellij-Fliesen, stuckierten Torbögen und feinem Stuck verzierten Gebäude läd zum verweilen ein. Dieser Ort strahlt eine unwahrscheinliche Ruhe aus und man kann sich gar nicht vorstellen wie hier früher bis zu 300 Koranschüler lernten und lebten.

Als nächstes stand das Palais Bahia auf dem Programm, ein Palais, welches von einem Großwesir für seine schöne Frau gebaut wurde. Eigentlich hatte er 4 Frauen doch die eine verehrte er am meisten und so bekam sie auch die prunkvollsten Gemächer im Palais. Ein Traum sind die maurischen Innenhöfe mit ihren vielen unterschiedlichen Pflanzen.

Vor dem Mittagessen ging es dann in die Neustadt, um dort das Saaditen-Mousole zu besichtigen. Wenn man das Mausoleum und die Gräber dort sieht, fragt man sich zuerst wie dort ein Mensch drin begraben sein soll. Hasan erklärte uns jedoch wie Muslim beerdigt werden und dann war glar warum die Gräber keine 50cm breit sind.

Saaditen-Mousole

Auf dem Weg zu unserem persönlichen Highlight des Tages, kamen wir noch an einem der imposanten Stadttore vorbei.

Zum Abschluss des Tages ging es dann zum Majorelle-Garten. Dieser wunderschöne botanische Garten vom französischen Maler Jacque Majorelle ist ein Traum, wenn man die Farbe blau mag.

Nach 7 Stunden erreichten wir wieder unser Riad und nach einer kurzen Pause stürzten wir uns gleich wieder in das Gewühl der Souks und des Jemaa el-Fna.

Jemaa el-Fna

Auf nach Marrakesch

Nachdem die Koffer endlich gepackt sind und der Alltag in weite Ferne rückt, ist es Zeit für ein neues Abenteuer. Endlich Urlaub – und endlich mal wieder die Gelegenheit, ein für uns völlig neues Land zu entdecken, das schon so lange auf unserer Wunschliste stand.

Vor uns liegen 15 Tage Marokko, inklusive Marrakesch. Eine halbe Ewigkeit, könnte man meinen, und doch viel zu kurz für all die Kontraste, die dieses Land bereithält. Wir haben uns bewusst viel Zeit genommen, um nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern vor allem das Land, die Kultur und die Menschen hautnah kennenzulernen. Gleichzeitig soll es aber auch eine Reise werden, bei der wir einfach mal die Seele baumeln lassen können. Kommt mit auf den Beginn unserer Reise in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht!


✈️ Die Anreise: Von Franken in den Trubel von Marrakesch

Unser Roadtrip-Abenteuer begann mitten in Franken. Mit dem Auto ging es von Erlangen zum Frankfurter Flughafen, von wo aus uns ein entspannter Direktflug mitten ins Herz Nordafrikas katapultierte. Die Anreise verlief absolut optimal und reibungslos. Schon beim Verlassen des Flugzeugs empfing uns diese ganz besondere, warme und leicht würzige Luft Marokkos. Am Flughafen Menara in Marrakesch wartete bereits unser organisierter Fahrer auf uns – ein perfekter Service, der uns den ersten Urlaubsstress direkt abnahm und uns sicher bis an den äußersten Rand der historischen Medina (der Altstadt von Marrakesch) brachte.

Flughafen Marrakesch

Wissenswertes am Rande: Der Flughafen Marrakesch-Menara gilt architektonisch als einer der schönsten Flughäfen der Welt. Die Kombination aus modernem, strahlend weißem Beton und den traditionellen arabischen Mustern an den Fassaden ist ein echter Hingucker und filtert das gleißende Sonnenlicht auf faszinierende Weise.

Orientierungslos im Labyrinth der Medina

Sobald man die Stadtmauern der Medina passiert, betritt man eine völlig andere Welt. Echte Autos sind in den engen, verwinkelten Gassen absolut tabu – und das aus gutem Grund! So stand am Treffpunkt bereits ein älterer, freundlicher Herr mit einem Handkarren für uns bereit. Er lud routiniert unser Gepäck auf und bedeutete uns, ihm zu folgen. Was dann folgte, war ein echter Crashkurs in Sachen Marrakesch: Wir hatten nach exakt zwei Minuten jegliche Orientierung verloren. Zwischen knatternden Mopeds, Eselkarren, bunten Marktständen und unzähligen Abzweigungen folgten wir brav und im Stechschritt unserem „Gepäck-Guide“. Und plötzlich, als wir dachten, wir finden nie wieder heraus, standen wir vor der unscheinbaren Tür unseres Zuhauses auf Zeit.


🇲🇦 Riad Numa: Unsere Oase der Ruhe

Hinter der schweren Holztür unseres Riad öffnete sich eine völlig neue Welt. Das Riad Numa ist eine absolute Oase inmitten des lauten, quirligen Trubels der Altstadt. Kaum ist die Tür zu, herrscht eine fast magische Stille. Das typisch marokkanische Innenhof-Design mit plätscherndem Wasser und viel Grün lässt den Puls sofort heruntersinken.

Zur Begrüßung gab es direkt die traditionelle marokkanische Gastfreundschaft: einen frisch gebrühten, süßen marokkanischen Minztee (der hier scherzhaft auch „Berber-Whisky“ genannt wird) und köstliches Gebäck. Mauro, unser fantastischer Gastgeber, nahm sich unglaublich viel Zeit für uns. Mit einer Engelsgeduld erklärte er uns auf der Karte die wichtigsten Highlights, Geheimtipps und Verhaltensregeln für die nächsten Tage.

Dinge, die vielleicht nicht jeder weiß: Das Wort „Riad“ stammt vom arabischen Wort für „Garten“ (riyāḍ) ab. Traditionell haben diese Häuser keine Fenster nach außen zur Straße, sondern alle Räume öffnen sich zu einem zentralen Innenhof mit einem Garten oder Innenpool. Das schützte die Privatsphäre der Familien vor Blicken und sorgt zudem für ein angenehmes, kühles Mikroklima im heißen Sommer.

Erste Entdeckungen rund um den Place des Épices

Viel Zeit zum Ausruhen wollten wir uns aber nicht gönnen. Für den restlichen Nachmittag stand zumindest noch ein kleiner, vorsichtiger Rundgang durch den nahegelegenen Teil der Medina auf dem Plan. Natürlich immer mit der leisen Hoffnung im Hinterkopf, den Rückweg zum Riad ohne fremde Hilfe wiederzufinden! 🗺️

Unser Weg führte uns schnell zum berühmten Place des Épices (dem Gewürzmarkt). Hier schlagen einem die Düfte von Kreuzkümmel, Zimt, Safran und frischer Minze direkt entgegen. Der Platz ist etwas überschaubarer und entspannter als der riesige, weltbekannte Djemaa el Fna, versprüht aber einen ganz besonderen, authentischen Charme.

Insider-Tipp: Die Dachterrassen der kleinen Cafés und Restaurants rund um den Platz sind ein absoluter Traum! Wir haben uns im berühmten Café des Épices niedergelassen. Von hier oben hat man bei einem kühlen Drink einen fantastischen, Logen-artigen Blick auf das wuselige Treiben der Händler und Handwerker unter uns, während im Hintergrund langsam die Sonne untergeht.


🍽️ Kulinarischer Höhepunkt über den Dächern

Das absolute Highlight des Tages erwartete uns jedoch am Abend. Wir hatten uns entschieden, auf der privaten Dachterrasse unseres eigenen Riads zu essen. Eigentlich dachten wir nur an eine kleine, leichte Stärkung nach der Reise – doch die Küche des Riads hat uns komplett umgehauen und mit einem traditionellen, mehrgängigen Festmahl überrascht.

Morocco Menu

Unser exquisites marokkanisches Menü sah so aus:

Morocco Menu

Tris of Moroccan salads: Eine Auswahl dreier traditioneller, fein gewürzter marokkanischer Salate (oft aus gekochtem Gemüse wie Auberginen-Zaalouk oder marinierten Karotten).

Tajine Kefta: Herzhafte Hackfleischbällchen, sanft geschmort in einer aromatischen Tomatensauce und perfekt pochierten Eiern obendrauf.

Moroccan Beef Tajine: Butterzartes Rindfleisch, raffiniert kombiniert mit der Süße von Pflaumen und dem Crunch von gerösteten Mandeln – eine absolute Geschmacksexplosion!

Vegetable Tajine: Frisches, knackiges Gemüse, abgerundet mit salzigen Oliven und eingelegten Salzzitronen.

Dessert: Ein süßer, fruchtiger Abschluss, der den Abend perfekt abrundete.

Was für ein absolut traumhafter und gelungener Start in diesen Urlaub! Mit vollen Bäuchen und dem sanften Ruf des Muezzins in den Ohren fielen wir erschöpft, aber glücklich ins Bett. Eines ist sicher: Morgen gibt es dann Sightseeing bis zum Abwinken!

My place to be

Hier geht es zum nächsten Marokko Beitrag: Unterwegs im Atlasgebirge

Reisevorbereitungen Neuseeland 2023

Unsere Reise nach Neuseeland ist leider erst in 6 Monaten (März 2023), doch die Planung ist schon relativ weit fortgeschritten.

Die Flüge und der Mietwagen sind gebucht und die Route steht.

4 Wochen lang bereisen wir die Nord- und Süd-Insel und erfüllen uns so einen Traum, den wir schon seit über 25 Jahren haben.

Ninety Mile Beach

Von Auckland aus geht es zuerst weiter in den Norden, hoch bis zum Ninety Mile Beach und Cape Reinga. Dann über Hamilton, Hobbiton Village, den Tongariro National Park weiter nach Wellington, von wo aus wir auf die Südinsel übersetzen.

Hobbiton Village

In der zweiten Hälfte bereisen wir dann die Süd-Insel.

McLean Falls

Von Picton, geht es über Nelson zur Golden Bay und dann entlang der Westküste vorbei an sagenhaften Gletschern bis zum Fiordland Nationalpark. Der letzte Teil der Reise führt uns dann entlang der Süd– und Ostküste bis zu Kaikoura und zurück nach Christchurch.

Los geht es am Abend des 02.03.2023 ab Frankfurt und mein Plan ist Euch dann regelmäßig von unserer Reise zu berichten.

Mainfrankentriathlon 2022

Nachdem ich den Erlangen Triathlon aus gesundheitlichen Gründen streichen musste, sollte die noch der letzte Wettkampf vor der Sommerpause werden. Viel Training gab es in den letzten Wochen nicht viel 🤧😔 uns so beschloss ich den Wettkampf so zu nehmen wie er kommt.

In Kitzingen angekommen ging es erstmal zur Ausgabe der Startunterlagen, um dann alles vorzubereiten. Fahrrad einstellen in der Wechselzone und alles gut für die Wechsel vorbereiten.

Ob Neo erlaubt ist oder nicht war noch offen, der Main hatte eine gute Temperatur und ich glaubte nicht daran mit Neo schwimmen zu dürfen 😔. Also alles mitgenommen und wieder zum Start-/Zielbereich, wo gerade die Ansage kam, dass der Neo auf der Olympischen Distanz erlaubt ist 👍🙌😏.

Kurz nach 12:15 ging es dann mit den Bussen zum Schwimmstart, denn hier in Kitzingen wird Flussabwärts geschwommen und kurz vor 13:00 Uhr ging es los. Ich ordnete mich bei den Agegroupern relativ weit hinten ein , um jeglichen Hauen und Stechen im Wasser aus dem Weg zu gehen. Mein Respekt vor dem Schwimmen in großen Gruppen ist immer noch groß und ich wollte es heute sauber durchziehen.

Durch den Rolling Start war alles gut und ich war ab dem ersten Zug im Rhythmus. Ich orientierte mich zuerst in die Mitte des Main, Schwimmen in der Strömung macht richtig Laune. Ab und zu kam mir einer von hinten zu nah, doch zwei kräftige Beinschläge und ich hatte wieder meine Ruhe 🤣

Kurz vor der zweiten Brücke orientierte ich mich Richtung Ufer und erwischte den Ausstieg optimal und war nach 28:01 Minuten aus dem Wasser und auf dem Weg in die Wechselzone 🙌

Auf dem Weg zu meinem Wechselplatz, gleich den Neo halb ausgezogen und dann schnell den Rest. Socken 🧦 und Schuhe 🥿 an und nach 2:44 Minuten, war ich über die Linie und saß auf dem Rad 🚲 .

Die ersten 14 km ist die Strecke sehr flach und ich komme optimal ins Radfahren rein. Lockere Beine und ein 35,6 km/h Schnitt 💪, doch dann der erste Anstieg 🫤.

Auf 7 km geht es jetzt langsam aber sukzessive 100 Höhenmeter bergauf, der Schnitt nur noch bei 26,72 km/h und die Beine brennen 😔. Leider stellen sich auch Rückenschmerzen ein, das fehlende Training macht sich bemerkbar 👎.

Danach eine schnelle rasante Abfahrt über 4 km 🏎 und dann gleich wieder über 1,4 km 100 Höhenmeter krass bergauf 😖. Meinen Schnitt erwähne ich hier lieber nicht. Die Beine und der Rücken waren durch und ich habe versucht auf den letzten leicht abfallenden 10 km neue Kräfte zu finden 👀.

Nach 1:18:45 Stunden und einem Schnitt von 31,0 km/h war ich dann wieder in der Wechselzone.

In der Wechselzone ging es diesmal zackig zu, Rad wieder in den Ständer – Schuhe wechseln und ab auf die Laufstrecke, hat aber trotzdem gute 2 Minuten gedauert ⁉️

Die schweren Beine und der schmerzende Rücken waren zum Glück plötzlich wie nie da gewesen, dafür spürte ich jetzt ohne Fahrtwind die steigenden Temperaturen 🥵

Wie erwartet wurde die Strecke zäh und ich nahm jede Wasserstelle 💦💧 mit und griff mir immer 3 Becher, mehr zum Kühlen ❄️ als zum Trinken 🚱.

Ich fühlte mich als ob ich dahin schleichen 🐌 würde, doch die Pace pegelte sich bei einer 5er Pace ein und so hatte ich zumindest mein Minimalziel beim Laufen erreicht.

Die zweite Runde verflog nur so und ich konnte nochmal die letzten Meter über die Alte Mainbrücke 🌉 und entlang des Unteren Mainkai genießen 😌.

Nach 2:38:23 blieb die Uhr dann für mich stehen und ich konnte mir die hart verdiente Medaille 🥇 von den Weinprinzessinnen 👸 umhängen lassen.

Ich war leider ohne Support-Team bei dem Wettkampf und auch da hat einfach heute etwas gefehlt.

Jetzt geht es erstmal n die Off-Season und dann werden neue Pläne geschmiedet!

Triathlon Ingolstadt 2022 – Olympische Distanz

Nach langer Vorbereitung, war endlich der Zeitpunkt an dem ich abliefern musste.

Am Sonntag, den 29.05.2022, stand der Audi Triathlon Ingolstadt in meinem Wettkampfkalender. Starten wollte ich hier über die Olympische Distanz und dies bedeutete, dass ich mich 1.500m Schwimmen, 42,5km Radfahren und 10,6km Laufen stellen musste. Eigentlich alles kein Problem und doch liegt die Tücke im Moment (hier mal nicht im Detail).

Wie schon geschrieben, hatte ich für diesen Triathlon eine recht lange Vorbereitungsphase von 22 Wochen. Die komplette Vorbereitungsphase verlief komplett verletzungsfrei und es gab nur im März mal ein paar Tage, wo ich eine kleine Erkältung hatte. Der Trainingsumfang war schon recht hoch, mit durchschnittlich 12 h Training pro Woche oder anders ausgedrückt: 980km Laufen, 3000km Radfahren, 110km Schwimmen und 28h Stabi-Training.

Ich sollte also gut vorbereitet sein!

Noch dazu war ich 3 Wochen vorher schon einmal in Ingolstadt und hab mir im Rahmen des TriDay die Strecken angesehen und wusste was auf mich zukommt. Der Baggersee hatte damals noch 14,7 Grad Wassertemperatur, was für das erste Freiwasserschwimmen in diesem Jahr nicht gerade angenehm war. Die, die mich kennen wissen, dass ich erst vor 3 Jahren richtig das Kraulen gelernt habe und das Freiwasser immer noch eine große Herausforderung für mich ist. So war auch der ersten Freiwassergang in diesem Jahr, nicht unbedingt von Erfolg gekrönt (Nachfolgende verliefen da wesentlich besser).

Doch kommen wir endlich zum Tag des Wettkampfs. Es war kalt, in der Nacht hatte es nur 6 Grad gehabt und auch als wir am Sonntag um 7:45 Uhr in Ingolstadt eintrafen, waren es gerade mal 10 Grad. Immerhin schien noch die Sonne und der Tag versprach gut zu werden. Mein Start war erst um 10:40 Uhr und so holten wir als aller erstes die Startunterlagen ab und nutzen dann noch die Zeit, um dem Schwimmstart der Mitteldistanz zuzusehen. Das Wasser hatte etwas über 20 Grad und die Luft gerade mal 10 Grad, so das Dunstwolken vom Baggersee aufstiegen, als sich die Schwimmer auf die 1.900m lange Schwimmstrecke machten. Das Ganze hatte schon etwas mystisches!

Danach checkte ich mein Rennrad ein und legte mir alles so bereit, dass die Wechsel möglichst zügig abliefen. Zu dem Zeitpunkt gab es schon ein paar erste vereinzelte Regentropfen und so deckte ich meine Schuhe zumindest mal mit einer Plastiktüte ab. Eine gute Entscheidung wie sich später herausstellte.

Wechselzone Triathlon Ingolstadt

Danach ging es dann zum Schwimmausstieg, um den Mitteldistanz Athleten zuzusehen und hoffentlich auch ein paar bekannte Gesichter zu entdecken. Zu spät erblicke ich Steffen, den ich zumindest noch anfeuern konnte. Etwas früher entdeckte ich Sabrina, so dass ich auch ein Foto schießen konnte.

Sabrina Ausstieg Schwimmen MD

Kaum waren die Mitteldistanzler auf ihren Rädern, begann es zu Regnen. Naja, obwohl nur Regen war das nicht mehr, es schüttete wie aus Eimern! Mir tat jeder leid, der jetzt unterwegs war. Wir verzogen uns ins Auto und warteten , bis kurz vor meinem Start.

Um 10:40 Uhr war es dann endlich soweit, meine erste Olympische Distanz in einem richtigen Wettkampf konnte beginnen.

Kurz vor dem Start

Ich sortierte mich in meinem Starterfeld extra ganz hinten ein, um jeglichen „Wasserkämpfen“ aus dem Weg zu gehen. Beim Schwimmen ging es für mich nur darum gut durchzukommen und möglichst gleichmäßig zu schwimmen.

Man kann es auf den Bilder nur erahnen, aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen Wasser und Luft, stieg Dunst auf und das Wasser sah aus als ob es brodeln würde.

Ich schwamm los, machte meine ersten Kraulzüge, nicht hektisch, sondern ganz locker und gleichmäßig. Mein Puls schoss in die Höhe und meine Atmung wurde hektisch. Ich musste sofort auf Brustschwimmen umstellen, um überhaupt genug Luft zu bekommen. Das war das Worst-Szenario, an welches ich vorher lieber nie gedacht hatte. Alles um mich herum, diese vielen Schwimmer im Wasser, das „brodelnde“ Wasser, war für mich zu diesem Zeitpunkt einfach zu viel. Im Nachgang betrachtet war es eine klassische Panikattacke. Ich beschloss erst einmal ruhiger zu werden, machte einen Zug nach dem anderen. Doch mein Herz raste und meine Atmung war so flach, dass ich die ganze Zeit den Eindruck hatte ich bekomme zu wenig Luft. Dann kam der Gedanke ans Aufgeben, keine 200m geschwommen und dass sollte es schon sein. 22 Wochen Training für 200m Schwimmen im Wettkampf. Da kamen mir meine zwei Mantras in den Kopf „Never give up“ und „Ich kann das!“. Ich beschloss auf jeden Fall bis zur ersten Boje weiter zu schwimmen und hoffte inständig, dass sich mein Körper beruhigen würde. Leider tat er das bis zur ersten Boje nicht und so kam wieder die Überlegung aufzugeben, sich aus dem Wasser fischen zu lassen. Doch dann erblickte ich rechts von mir einen Bootsanlieger mit Booten. Ich überlegte lang hin und her, ob ich einfach kurz abbiege sollte und mich dort kurz festhalte und beruhige sollte, um dann zu versuchen ruhig weiter zuschwimmen. Ist das erlaubt oder werde ich dann disqualifiziert? Es half nichts, so konnte es nicht weitergehen, ich schwamm zu den Booten und hielt mich an einem fest, um zur Ruhe zu kommen. Sogleich war eine Rettungsschwimmerin auf einen Stand Up Paddle bei mir und wollte wissen ob alles ok ist. Ich sagte Ihr, dass ich nur eine kurze Pause brauche. Ich konzentrierte mich nur auf meine Atmung und nach ca. 1 Minute hatte sich meine Atmung und mein Puls wieder etwas beruhigt. Ich bedankte mich noch kurz bei der Rettungsschwimmerin und machte mich auf die weiteren 1.100m, mit der Hoffnung, dass ich jetzt ruhig und ohne weitere Probleme schwimmen konnte. Von hinten kam schon die letzte Startgruppe und ich hoffte nur, dass sie mich nicht überrollen würden.

Ich fand endlich zu einem ruhigen und gleichmäßigen Schwimmen. Ich konzentrierte mich nur auf mich und wusste, dass ich das, was ich hier gerade mache eigentlich kann. Dieser Gedanke brachte mich immer weiter und weiter. Die Meute von hinten kam nicht! Nur ein Schwimmer, mit einer grünen Badekappe, überholte mich sehr zügig. Bei mir lief es jetzt endlich richtig gut, ich holte sogar vereinzelte Schwimmer aus meiner Gruppe wieder ein. Meine Pace lag endlich bei dem was ich mir vorgenommen hatte und so stieg ich nach 33:33 Minuten aus dem Wasser. Ich war erleichtert das Schwimmen hinter mir zu haben und mich jetzt auf meine beiden stärkeren Disziplinen konzentrieren zu können.

Ausstieg Schwimmen

Auf dem Weg zu meinem Rad schälte ich mich bereits halb aus meinem Neo. Am Rad dann, Neo aus, Socken und Schuhe anziehen, Helm auf, Startnummer umlegen und nach 3:27 Minuten war ich auf der Radstrecke.

Start Radstrecke

Motiviert von den letzte 1.100m des Schwimmens hatte ich jetzt richtig Böcke Gas zu geben. Auf dem ersten Stück ist eigentlich Überholverbot. Mein Vordermann und ich hatten leider ein paar Teilnehmer vor uns, die dort mit ca. 22 km/h entlangzuckelten. Nach ein paar Bitten doch etwas schneller zu fahren, nahmen wir uns ein Herz und zogen an ihnen vorbei. Die Straßen waren noch sehr nass, doch ich glaube es hat schon nicht mehr geregnet (ich war bereits im Tunnel und habe nichts mehr um mich herum wahrgenommen!), man musste aber jede Kurve mit viel Feingefühl an- und durchfahren.

Zuerst ging auf eine 10 km lange Schleife durch die Innenstadt, aufgrund des vorherigen Regens waren leider nur wenige Zuschauer an der Strecke, doch die haben jeden einzelnen angefeuert. Wie schon geschrieben; ich hatte jetzt richtig Böcke Gas zu geben und so ging ich eine hohe Trittfrequenz im entsprechenden Gang an. Die Schleife durch die Innenstadt hat richtig Laune gemacht, bei optimalem Wetter und vielen Zuschauer, wäre es ein Traum gewesen. Ich sammelte hier schon viele andere Teilnehmer vor mir ein. Die Jungs und Mädels auf den Zeitfahrmaschinen schienen bei den Witterungsverhältnissen so Ihre Probleme zu haben und ich war gar nicht mehr neidisch „nur“ ein Rennrad zu haben.

Dann ging es hinaus in Richtung Egweil, raus auf die Landstraße. Ab jetzt gab es fast keine engen Kurven mehr, nur ein Kreisverkehr und ein paar Ortsdurchfahrten. Man konnte sich ab jetzt voll und ganz auf die richtige Trittfrequenz konzentrieren und die schnelle Strecke genießen. Da die Straße zu Beginn immer noch sehr nass war, waren die Füße bald tiefgefroren und ohne Gefühl, doch die Strecke wurde zum Glück immer trockener. Ich war nach wie vor richtig gut unterwegs, sammelte immer wieder einen anderen Teilnehmer ein und hatte unterwegs richtig Spaß. Nach der Wende in Hennenweidach an der Kapelle St. Anna ging es auf die letzten 15 km. Meine Beine wurden langsam etwas schwerer, doch hielt ich meinen Geschwindigkeit bei und versuchte auch auf den leichten Anstiegen nicht zu langsam zu werden. Nach 42,5 km, einem Schnitt von 34,4 km/h, war ich nach 1:14:26 Stunden wieder in der Wechselzone. Für meine Frau war ich etwas zu schnell unterwegs, hatte ich doch ein etwas langsameres Tempo geplant. So hat sie mich beim Fotografieren dann nur noch von hinten erwischt.

Kurz vor dem 2ten Wechsel

Auch der zweite Wechsel verlief optimal. Fahrrad wieder einhängen, Helm und Brille hinschmeißen, Schuhe gewechselt und nach 1:25 Minuten war ich auf der Laufstrecke.

Geplant war eine 4:45er Pace, doch die ersten Meter waren Laufen wie auf rohen Eiern. Nicht weil ich noch im Radfahrmodus war, eher weil meine Füße tiefgefroren waren und fast ohne Gefühl. Meine Uhr zeigte nach dem ersten Kilometer 4:34 Minuten an, eigentlich zu schnell, doch ich hielt es wie immer: „Erstmal laufen lassen!“.

Die Strecke verlief zu Beginn um die West- und Südseite des Baggersees, die Schotterwege waren sehr angenehm zu laufen und ich konnte immer wieder andere Läufer überholen. Das Einholen der anderen Läufer und die immer noch recht lockeren Beine ließen mich meine Pace beibehalten. Meine Stimmung war perfekt, mein Training über die 22 Wochen zahlte sich wirklich aus und ich kostete jede Minute in vollen Zügen aus.

Bei Kilometer 4 standen plötzlich Steffen und Jörg an der Strecke und feuerten mich an. Danke für die tollen Bilder und wie man sieht hatte ich wirklich meinen Spaß und die beste Laune.

Kilometer 4 bei bester Laune

Jetzt ging es in Richtung Innenstadt und ich hoffte da auf mehr Zuschauer und eine gute Stimmung. Ich wurde nicht enttäuscht. Auf den kurzen 500 m mitten durch die Innenstadt war die Stimmung riesig und machte Lust auf die letzten Kilometer. Die Beine waren immer noch ok, ab und zu wollte die linke Wade sich zu Wort melden, aber das habe ich gekonnt ignoriert.

Als es entlang der Donau langsam wieder heraus aus der Stadt ging , waren immer wieder kleine Stimmungsnester und gaben einem die Kraft für die letzten 3 km. So beflügelt zog ich meine Pace noch einmal etwas an und hatte die Laufstrecke von 10,5 km nach 49:19 Minuten mit einer durchschnittlichen Pace von 4:33 min/km geschafft.

Wenige Meter vor dem Ziel

Im Ziel zeigte mir meine Uhr 2:42:10 Stunden an, eine Zeit mit der ich sehr zufrieden bin.

Im Zielbereich selber traf ich dann noch auf Krissi, die mit Ihrer Zeit für die Mitteldistanz auch sehr zufrieden war. Von Ihr erfuhr ich auch, das Steffen leider aufgeben musste. Er war durch den kalten Regen total unterkühlt und da war es besser nicht weiter zu machen. @Steffen: Roth wird Dein Wettkampf!!!

Nach einem alkoholfreien Weizen und einem Stück Apfelstrudel, machte ich mich auf den Weg meine Frau in dem Gewühle zu finden, um dann mein Fahrrad und Equipment aus der Wechselzone zu holen.

Unterwegs machten wir noch das obligatorische Bild mit der Medaille und dem dazugehörigen zufriedenen Grinsen.

Zufrieden nach dem Finish

Auf den letzten Metern zum Auto haben wir dann zum Glück noch Sabrina getroffen, die heute im Wasser auch so einiges erlebt hat, aber dass könnt ihr sicherlich in Kürze unter ihrem Instagram-Account nachlesen.

Das war der Audi Triathlon Ingolstadt 2022, trotz mäßigem Wetter ein super toller Wettkampf für mich.

Danke an alle Helfer Vorort, die trotz dem Sauwetter an der Strecke waren und diesen Triathlon möglich gemacht haben.