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Vom alten Pool zum Wellness-Deck

Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, weiß: Unser Bestway Lay-Z-Spa Cabo ist voll in Home Assistant integriert und heizt quasi kostenlos mit PV-Überschuss, doch was noch fehlte war die Beschreibung wie diese Wellness Oase entstanden ist.

Bis Anfang dieses Jahres hatten wir jahrelang einen klassischen Gartenpool in unterschiedlichen Ausführungen. Da die Kinder ausgezogen sind, stand der Pool am Ende fast nur noch ungenutzt herum, machte aber jede Menge Arbeit. Die Entscheidung stand fest: Der Pool fliegt raus und stattdessen bauen wir an der gleichen Stelle ein großes, gemütliches Holzdeck zum Relaxen.

Und weil man nach handwerklicher Arbeit im Garten oder zum Abkühlen im Sommer einen Platz braucht, sollte zusätzlich zu dem neuen Holzdeck noch ein Jacuzzi und eine 40-Liter-Solardusche Platz finden.

Hier ist der ungeschönte Baubericht von den Erdarbeiten über die statischen Tücken eines Sandkastens bis hin zur perfekten millimetergenauen Anpassung an die Rasenkanten.


Wellness

📸 Aus alt mach neu


🛠️ Phase 1: Die Abriss- und Erdarbeiten (Eine Heidenarbeit)

Der Platz, den ich mir für das neue Holzdeck ausgesucht hatte, war ein alter, gepflasterter Bereich von ca. 10 m². Schön war er schon lange nicht mehr und genutzt wurde er dementsprechend auch nicht. Den Jacuzzi einfach auf die alten Beton-Pflastersteine zu stellen, kam für mich überhaupt nicht infrage – das hätte optisch einfach nichts hergemacht und wäre spätestens bei der Montage der Solardusche zu einem echten Problem geworden.

  • Schritt 1: Die kompletten Beton-Pflastersteine auf den 10 m² herausreißen. Wer schon mal Betonpflaster geschleppt hat, weiß, wie verdammt schwer die Dinger sind.
  • Schritt 2: Darunter lag eine 2 bis 4 cm dicke Schicht alter Split. Auch die musste komplett weichen.

Als der Split weg war, kam eine Überraschung zum Vorschein: Der Großteil des Platzes war darunter komplett betoniert! Zuerst dachte ich an eine alte Sickergrube, doch meine Schwiegermutter brachte Licht ins Dunkel: Früher war hier einmal ein Freisitz.

Das Sandkasten-Problem in der Mitte

Die eigentliche Schmerzstelle zeigte sich genau in der Mitte dieses alten Freisitzes: Eine exakte Aussparung im Beton von 1,40 m × 1,40 m. Hier war früher der Sandkasten! Heute war das Loch einfach mit Erde gefüllt.

Statisch gesehen der absolute Albtraum für ein Whirlpool-Fundament. Ein gefüllter Jacuzzi wiegt rund 1,1 Tonnen auf einer winzigen Fläche. Hätte ich meine Tragkonstruktion einfach auf dieses Erdloch gestellt, wären die Stelzlager über kurz oder lang im weichen Boden eingesunken. Die Terrasse hätte sich unweigerlich verzogen.

Die Lösung: Ich habe das Erdloch gut 9 cm tief ausgehoben, eine Schicht frischen Split eingebracht und verdichtet. Darauf habe ich dann die alten Pflastersteine, die ich vorher herausgerissen hatte, im Loch sauber neu verlegt. Das Ergebnis: Eine durchgehend stabile, tragfähige Ebene aus Beton und Pflaster.

📐 Phase 2: Die Unterkonstruktion – Statik trifft auf Gefälle

Da der Untergrund nach vorne hin leicht abschüssig war, stand ich vor der nächsten Herausforderung. Das Deck musste am Ende absolut waagerecht sein – besonders für den Whirlpool, da das Wasser sonst schief im Becken steht.

Aus diesem Grund kamen zwei verschiedene Größen von verstellbaren Stelzlagern (Balkenlager PRO von gartenwelt_riegelsberger) zum Einsatz:

  • Im hinteren (höheren) Bereich: Größe 27–40 mm (90 Stück)
  • Im vorderen (tieferen) Bereich zum Ausgleichen: Größe 40–64 mm (40 Stück)

Insgesamt knapp 130 Stelzlager sorgen nun dafür, dass das Deck perfekt in Waage liegt.

Warum so viele Stelzlager und so enge Abstände?

Vielleicht fragst du dich, warum man für ein 10 m² Deck so extrem viele Stelzlager und Balken braucht. Die Antwort liegt wieder im enormen Gewicht des Jacuzzis.

Normalerweise verlegt man die Unterkonstruktion bei Terrassendielen in einem Abstand von 40 bis 50 cm. Unter dem Whirlpool habe ich das Raster jedoch massiv verdichtet und die Balken (Kiefer KDI, 45 × 70 mm, flach hingelegt für eine optimale Auflagefläche) alle 20 cm gesetzt! Dadurch verteilt sich das Gewicht des Pools auf unzählige Kreuzungspunkte. Auf jedes einzelne Stelzlager drückt am Ende nur ein kleiner Bruchteil des Gewichts. Hier biegt sich garantiert nichts durch.

🚫 Warum wir die teuren Abstandshalter nicht verbaut haben

Im Laufe der Planung hatte ich überlegt, spezielle Terrassendielen-Abstandshalter (Kunststoff-Clips zwischen Balken und Diele) zu kaufen. Bei über 500 benötigten Kreuzungspunkten hätte ich jedoch locker 600 bis 700 Stück kaufen müssen. Das stand finanziell in absolut keinem Verhältnis mehr zum Nutzen.

Wir haben das Ganze handwerklich clever und extrem günstig gelöst:

  1. Konstruktiver Holzschutz durch Gefälle: Nach hinten wird das Deck von einer Mauer begrenzt, nach vorne schließt es an bestehende Rasenkantensteine an. Die Unterkonstruktion wurde so ausgerichtet, dass das Wasser durch ein minimales Gefälle in den Fugen ablaufen kann und keine Staunässe zwischen Dielen und Balken entsteht.
  2. Fugenkeile statt Dauerelemente: Um beim Verschrauben der Douglasie-Dielen (2500 × 124 × 21 mm) überall exakt die wichtigen 5 mm Fugenbreite einzuhalten, kamen einfache, wiederverwendbare Kunststoff-Steckkreuze aus dem Baumarkt zum Einsatz. Nach dem Festschrauben zieht man sie einfach wieder raus – Kostenpunkt: keine 10 Euro.

🚿 Das Statik-Highlight: Die Solardusche bombenfest montiert

Ein weiteres wichtiges Element auf dem Deck ist die CCLIFE Solardusche mit 40 Litern Tankvolumen. Vollgefüllt bringt das gute Stück gut 45 bis 50 kg auf die Waage. Da die Dusche über 2 Meter hoch ist, wirken durch Hebelkräfte (Wind, Festhalten beim Duschen) enorme Kräfte auf den Standfuß. Schraubt man diese einfach nur in die 21 mm dünnen Dielen, reißen die Schrauben beim ersten Sturm aus.

Glücklicherweise lag genau an der Stelle, wo die Dusche hin sollte, ein Unterkonstruktionsbalken darunter. Ich habe direkt unter diese Stelle zwei zusätzliches Stelzlager gesetzt, um den Druck nach unten abzufangen und auch noch 3 Querbalken eingefügt.

Der Schrauben-Größen-Krimi

Die Dielen und flach liegenden Balken haben zusammen eine Stärke von 66 mm (21 mm Diele + 45 mm Balken). Der Standfuß der Dusche schlägt noch einmal mit 10 mm zu Buche. Macht eine Gesamttiefe von 76 mm.

Da es im Baumarkt keine 70 mm Schrauben in Edelstahl A2 gab, musste ich zu 80 mm Sechskant-Schlüsselschrauben greifen. Um zu verhindern, dass die Schraube unten aus dem Balken herausschaut und das darüberliegende Kunststoff-Stelzlager zerstört, habe ich einen einfachen Handwerkertrick angewendet: Ich habe unter jeden Schraubenkopf am Fuß der Dusche 3 dicke Edelstahl-Unterlegscheiben (M8) gestapelt. Dadurch wanderte die Schraube ca. 5 mm nach oben, sitzt perfekt tief im Holz und das Stelzlager bleibt absolut unberührt.

📐 Phase 3: Die millimetergenauen Randarbeiten

Eine Terrasse wirkt erst dann richtig professionell, wenn die Anschlüsse an die Umgebung stimmen. Da der Platz zu den Seiten hin nicht perfekt rechtwinklig verlief, musste an den Rändern Maßarbeit her:

  • Die schräge Seite: Hier habe ich im Zuge des Baus neue Rasenkantensteine gesetzt. Jede einzelne Douglasie-Diele wurde dann auf dieser Seite mit der Kappsäge im exakten Winkel so zugeschnitten, dass sie gut mit dem Kantenstein abschließt.
  • Die andere (gerade) Seite: Auch hier war der Verlauf der alten Pflastersteine ungenau. Ich habe zuerst die Terrassendielen komplett verlegt und danach Teile des angrenzenden Pflasters entfernt. Am Schluss habe ich die Pflastersteine mit dem Winkelschleifer und einer Diamanttrennscheibe so exakt zugeschnitten, dass sie nun nahtlos und ohne hässliche Lücken an die Dielen anstoßen.

📋 Materialliste: Was wurde für das Projekt benötigt?

Für alle, die ein ähnliches Projekt planen, habe ich hier noch einmal das gesamte benötigte Material und die wichtigsten Werkzeuge zusammengefasst:

Holz & Unterkonstruktion

  • Terrassendielen: Douglasie-Dielen (Maße: 2500 × 124 × 21 mm)
  • Unterkonstruktionsbalken: Kiefer KDI (Maße: 45 × 70 mm), flach verlegt für optimale Lastenverteilung

Fundament & Ausgleich

  • Stelzlager hinten (niedrig): 90x Balkenlager PRO Stellfuß (Größe 27–40 mm) von gartenwelt_riegelsberger
  • Stelzlager vorne (hoch): 40x Balkenlager PRO Stellfuß (Größe 40–64 mm) von gartenwelt_riegelsberger
  • Erdlochausgleich: Frischer Split (zum Verdichten) & vorhandene alte Beton-Pflastersteine
  • Randabschluss: Neue Rasenkantensteine für die schräge Seite

Schrauben & Montagezubehör

  • Dielenschrauben: Terrassenschrauben aus Edelstahl A2 mit Torx-Antrieb (Größe 5 × 50 mm oder 5 × 60 mm)
  • Duschbefestigung: 4x Sechskant-Holzschrauben / Schlüsselschrauben aus Edelstahl A2 (Größe 8 × 80 mm)
  • Unterlegscheiben: 12x dicke Edelstahl-Unterlegscheiben (M8) zum Höhenausgleich unter den Dusch-Schraubenköpfen
  • Fugenhelfer: Wiederverwendbare Fliesen-/Steckkreuze aus Kunststoff (5 mm Fugenbreite)

Wellness-Ausstattung

  • Bestway LAY-Z-SPA Energiespar-Whirlpool Cabo HydroJet
  • CCLIFE Solardusche mit 40 Litern Tankvolumen

💎 Fazit: Unsere ganz persönliche Wohlfühloase

Der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Die Kombination aus dem warmen Holzdeck, dem perfekt eingelassenen Jacuzzi und der Solardusche hat den ehemals hässlichen Freisitz komplett verwandelt. Dank der extrem dichten Unterkonstruktion steht der Whirlpool absolut sicher, und die Solardusche übersteht dank des Schrauben-Tricks auch den stärksten Windstoß.

Wenn du wissen willst, wie ich diesen Jacuzzi jetzt so automatisiert habe, dass er komplett kostenlos mit Solarstrom aufheizt, schau dir unbedingt meinen Artikel zur Home Assistant Jacuzzi-Integration an!

Hast du Fragen zum Unterbau, den Stelzlagern oder dem statischen Aufbau? Schreib es mir gerne unten in die Kommentare! 👇

Und ganz am Ende noch das Wichtigste … macht Euch vorher einen Plan von dem was ihr vorhabt, dann könnt ihr sehr sicher sein, dass ihr an „fast“ alles gedacht habt!

Meine erste Mitteldistanz – DIY Triathlon

Wenn Du so etwas das erste Mal machst, ist das Ganze wie eine Überraschungsei! Du weißt eigentlich was Du Dir da gekauft hast, Du siehst die bunte glitzernde Hülle, weißt dass darunter die süße leckere Schokolade steckt, aber welche Überraschung(en) sich im Inneren verbirgt, ist noch vollkommen unklar.

Ganz ähnlich ist es mit der ersten Mitteldistanz im Triathlon. Auch hier weißt Du eigentlich was Dich erwartet, Du hast diese tolle Ausrüstung, ein geiles Fahrrad, einen Neopren-Anzug, top Laufschuhe mit Carbon-Innensohle und noch vieles mehr. Du weißt, welchen Aufwand Du in Dein Training gesteckt hast. Du weißt, wie fit Du in jeder der drei Disziplin bist. Aber ob alles zusammen passt, ohne Pausen und ohne doppelten Boden, ist noch Mal etwas ganz anderes und im Vorfeld nur teilweise planbar.

Dieses Überraschungsei beschreibt ganz gut wie ich mich am Morgen des 28.08.2021 gefühlt habe, eigentlich gut vorbereitet, aber ich hatte keine Ahnung, wie und ob alles zusammenspielt.

12 Wochen intensives Training lagen hinter mir, mit 491 km Lauftraining, 1.370 km im Sattel und 45 km Kachelzählen.

Zu Beginn des Trainings und somit nach der Erholungsphase, die ich aufgrund meines nicht so schönen Sturzes mit dem Rennrad einlegen musste, stand zuerst nur ein grober Plan. Ich hatte keine Ahnung, ob dieser Plan aufgehen würde und wie schnell ich wieder in Form kommen würde. Doch es wurde von Woche zu Woche besser und machte immer mehr Spaß, so dass die Zuversicht, eine Mitteldistanz finishen zu können, immer mehr wuchs.

Doch kommen wir endlich zum Wettkampf. Ich nenne es Wettkampf, auch wenn es ein Triathlon war, den ich ganz für mich alleine bestritten habe und nicht im Rahmen einer Veranstaltung. Ein Wettkampf ist ein Kampf um die beste [sportliche] Leistung und ich wollte hier die beste Leistung abliefern, zu der ich in der Lage war.

Am Morgen des 28. August stand ich pünktlich um kurz vor 10:00 Uhr vor unserem Freibad. Ich wollte so früh wie möglich starten, um nicht zu viel Betrieb im Becken und somit auf den Bahnen zu haben. Warum ich dann nicht früher gestartet bin, nun unser Freibad macht Samstags leider erst um 10:00 Uhr auf. Da das Wetter nicht gerade Freibad-Wetter war (15 Grad und ein grauer Himmel), war ich der einzige, der so „früh“ da war und hatte das ganze Freibad für mich alleine. Ich traf schnell noch die letzten Vorbereitungen (Neoprenanzug, Schwimmbrille, Badekappe richten und die Radklamotten für den Wechsel zurecht legen) und stand so um 10:04 Uhr am Rand des Beckens. Es konnte also wirklich los gehen.

Kurz vor dem Schwimmen im leeren Freibad

Mit einem weiten Hechtsprung durchbrach ich die glatte Wasseroberfläche und begann meine Bahnen zu ziehen. Eigentlich dachte ich, ich würde aufgeregt und unruhig schwimmen, doch das genaue Gegenteil war der Fall. Ich kam sofort in einen gleichmäßigen und ruhigen Flow. Mir war klar, dass ich im Schwimmen nicht schon alles geben würde, sondern in meinem Tempo und ohne Pausen durchschwimmen werde. Auch habe ich mir zwischendurch jeglichen Blick auf die Uhr verboten, ich wollte erst zur Halbzeit, nach 950 m, einen Blick auf die Uhr werfen, um zu sehen wo ich zeitlich ungefähr rauskommen würde. Als ich dachte ich hätte jetzt 19 von 38 Bahnen hinter mir, schaute ich bei der Wende kurz auf die Uhr. Upsss … schon 1050 m … verzählt … und ca. 20 Minuten … voll im Plan. Es lief die ganze Zeit richtig gut und nach weiteren 17 Bahnen war es auch schon vorbei.

1.900 m in 36:53 Minuten und somit einer Durchschnittspace von 1:56 min/100m waren alles was ich wollte und wozu ich Schwimmtechnisch aktuell in der Lage bin.

Schnell raus aus dem Becken, raus aus dem Neoprenanzug und rein in die ersten Radklamotten. Nein, ich hatte keinen Trisuit angezogen, bei gerade mal 15 Grad Lufttemperatur, wollte ich mir den Luxuxs gönnen und trocken auf dem Rad starten.

Dann ging es schnell raus auf den Parkplatz des Freibades, wo meine Frau schon den zweiten Teil der Wechselzone eingerichtet hatte. Beim anziehen der restlichen Radklamotten gönnte ich mir schnell einen Riegel und etwas zu Trinken, bevor ich mich nach unendlichen 7:35 Minuten endlich auf mein Rennrad schwang. In dieser Hektik hatte ich wohl einmal zu oft auf meine Uhr gedrückt und sie zeigte schon wieder Wechsel an. Schnell die Uhr gestoppt, Aktivität bis jetzt gespeichert, wieder eine Triathlon-Aktivität gestartet, bis zum Radfahren durchgeklickt und endlich konnte ich mich auf die 90 km, die jetzt vor mir lagen, konzentrieren.

Die ersten Kilometer gingen noch durch Wohngebiete und liefen deshalb nicht ganz so flüssig. Doch dann ging es auf die wenig befahrenen Landstraßen und ich konnte mich darauf konzentrieren in eine gleichmäßigen Tritt zu kommen. Mein Plan war es mindestens einen 30er Schnitt zu fahren und den mit einer möglichst gleichmäßigen hohen Trittfrequenz, um die Beine nicht sauer zu fahren. So liefen die ersten 25 km trotz kontinuierlichem Gegenwind richtig gut, nur der Himmel machte mir immer mehr sorgen. Regen war eigentlich erst für die Laufstrecke angesagt, aber wie es jetzt aussehen würde, würde es wohl viel früher nass werden.

Nur zwei Kilometer später war es dann soweit, der Himmel öffnete seine Pforten und es regnete zuerst nur leicht und dann immer stärker. Kurzer Stopp, Regenjacke an und weiter. Ich begann immer mehr zu fluchen, Regen, Gegenwind und das genau auf dem Streckenabschnitt, der auch noch die Steigungen für mich parat hält. Was für ein Glück, nach 15 Minuten hörte es wieder auf zu regnen und so konnte ich mich auf den Kampf gegen die Steigungen und den Gegenwind konzentrieren.

Die Steigungen waren jetzt nicht so heftig wie viele vielleicht denken, doch zogen sie sich kontinuierlich über die nächsten 14 km hin und der Gegenwind war auch noch mein ständiger Begleiter. Über meine geplante Zeit für die 90 km machte ich mir noch keine Sorgen, wusste ich doch, dass es nach 45 km Richtung Heimat geht, ich dann Rückenwind haben müsste und es lange leicht bergab geht. Nach 1:33:47 Stunden und 47,8 km hatte ich den höchsten Punkt erreicht und ich durfte endlich den Rückenwind genießen.

Die zweite Hälfte der Radstrecke sollte wesentlich angenehmer verlaufen, es standen fast keine Höhenmeter mehr an und die Streckenführung war einfacher. Also Kopf aus, gleichmäßig treten und soviel Kraft wie möglich sparen. Ich aß und trank unterwegs immer wieder, um genügend Energie für den Rest der Radstrecke zu haben und vor allem für den noch kommenden Halbmarathon.

Alles ging gut bis zu Kilometer 65, ich hatte den Himmel schon länger wieder im Blick und es wurde immer dunkler. Dann fing es wieder an zu regnen und dieses mal erbarmungslos, mit allem was nur von oben runter kommen konnte. Der Wind kam jetzt aus jeder Richtung, so dass der angenehme Effekt des Rückenwindes auch weg war. Die nächsten 10 km waren kein Spaß, von oben Wasser, von unten Wasser und Wind von allen Seiten. Anhalten, eine Pause machen … keine Option … Wettkampf ist Wettkampf und wenn man ihn nur für sich macht. Jede Kurve musste ich voll runterbremsen, um ja nicht zu stürzen, besonders heikel wurde es auf dem Kopfsteinpflaster in Langenzenn, da kam ich mir vor als ob ich auf rohen Eiern fahren würde. Durch das viele Wasser war ich komplett durchnässt, so durchnässt, das ich sogar plötzlich meinen In-Ear-Kopfhörer verlor den ich nur auf der rechten Seite drin hatte. Anhalten, suchen … wieder keine Option. Bei Kilometer 75 wurde der Regen endlich wieder weniger und es hörte zwischendurch sogar mal komplett auf zu regnen.

Es waren nur noch 15 km auf dem Rennrad, die Beine waren noch gut in Form, doch die Motivation hatte etwas gelitten. Als ich plötzlich meine Tochter in der Ferne mit der Kamera erblickte, ging es mir gleich viel besser. Jemanden auf der Strecke zu sehen, den man kennt, mobilisiert immer wieder Kräfte und ich war ihr so dankbar.

Voll motiviert ging es weiter und nach 3:00:06 Stunden erreichte ich die nächste Wechselzone, die heimische Garage.

Aus den Radklamotten musste ich eh raus und so beschloss ich mich komplett umzuziehen, um den Lauf trocken genießen zu können, denn nun kam doch noch die Sonne raus. Nach gut 6 Minuten Umziehen und kurzem Dehnen, ging es auf die 21,1 km Laufstrecke.

Da meine letzten Laufeinheiten nicht so gut liefen, hatte ich geplant eine 5:15er Pace zu Laufen und wenn es gar nicht geht bis auf eine 5:30er Pace runter zu gehen. Bewusst schaute ich die ersten Kilometer erst gar nicht auf die Uhr, sondern versuchte nach Gefühl zu laufen. Es fühlte sich verdammt gut an, nicht so als ob ich gerade schon 1,9 km geschwommen und 90 km Rad gefahren wäre. Als ich dann doch mal auf die Uhr blickte war ich wirklich überrascht, stand da doch eine durchschnittliche Pace von 4:56 auf den ersten 3 km. Wenn man eigentlich langsamer laufen wollte und man so etwas auf der Uhr sieht, kommen einem viele Gedanken in den Kopf und die vordergründige Frage: „Langsamer werden oder den Flow nutzen und es riskieren am Ende einzubrechen?“ Ich entschied mich einfach mal so weiter zu laufen und bei meinem ersten Verpflegungspunkt zu entscheiden, wie es weiter geht.

Als der Verpflegungspunkt so langsam in Sicht kommen sollte, sah ich keine Crew sah und somit keinen Verpflegungspunkt. Sofort schossen mir 10.000 Gedanken durch den Kopf und vor allem der eine: „Steht die Crew an einer falschen Stelle?“. Doch zum Glück tauchten sie plötzlich aus dem Gebüsch auf und alles war gut. Kurze Abstimmung, neue Softflask mit Cola ohne Kohlensäure und weiter ging es. Diese ersten 7 Kilometer verliefen verdammt gut, fast schon zu gut und so beschloss ich die Pace einfach beizubehalten, mehr als dass es sich bitter rächen würde, konnte ja nicht passieren.

Meine Strecke führte mich weitere 3,5 km entlang des Main-Donau-Kanals Richtung Süden und ich hatte die ganze Zeit einen leichten Rückenwind. Dann bei Kilometer 10,6 gab es die Wende und es ging die gleiche Strecke wieder zurück. Ich spürte gleich den leichten Gegenwind und hoffte nur mich nicht verzockt zu haben. Die Pace blieb zum Glück stabil und auch eine Ermüdung war noch nicht wirklich spürbar. Bei Kilometer 14,5 traf ich dann wieder auf meine Crew. Kurzer Update von mir und mit einem halben Riegel in der Hand ging es weiter. Ich hatte kein richtiges Hungergefühl, aber die Getränke und die Lucho Dillitos Energy Blocks, die ich in den letzten 4 Stunden zu mir genommen hatte, hatten zwar meinen Energiebedarf sehr gut gedeckt, aber nicht meinen Magen gefüllt.

Etwas gesättigt ging es auf die letzten gut 6 km. Die Pace passte nach wie vor, nur spürte ich jetzt langsam wie meine Beine müde wurden. Richtig zu spüren bekam ich es dann ab Kilometer 19, doch bei nur noch 2 Kilometer heißt es Zähne zusammenbeißen, nicht langsamer werden und immer weiter.

Nach 1:42:55 war dann auch dieser Part der Mitteldistanz geschafft, wesentlich schneller als gedacht und mit wesentlich weniger Leider als gedacht. Es ist schon der Hammer zu was der Körper in der Lage ist!

Für die 1,9 km Schwimmen, die 90 km Radfahren, die 21,1 km Laufen und die zwei Wechsel habe ich insgesamt 5:34:09 gebraucht und ohne die Wechsel sind es sogar nur 5:19:54.

Ich bin vollkommen zufrieden, sehr dankbar meiner Frau und Tochter gegenüber, zum einen für den Support an diesem Tag, aber natürlich auch für das Verständnis und die Unterstützung in den letzten 12 Wochen.

Ein zusätzlichen Dankeschön geht noch an Lotta und Schorsch vom TRI IT FIT Podcast, die den ganze DIY Triathlon ins Leben gerufen haben und auch eine tolle Medaille entworfen haben.

Das Wetter war an diesem Tag nicht immer Lustig und hat mich einiges gekostet, vor allem auch einen In-Ear-Kopfhörer. Ausgezahlt hat sich die kontinuierliche Verpflegung unterwegs, dadurch hatte ich keinerlei Probleme bis zum Ende.

Pause gibt es leider noch keine, denn wenn alles gut geht starte ich am 26. September noch beim Berlin Marathon, den ich als reinen Genusslauf absolvieren möchte, aber danach geht es dann in die Off-Season!

Pläne für danach entstehen auch schon langsam. Im Winter an der Rad- und Schwimm-Performance arbeiten und im Frühjahr will ich mich endlich dem Thema Freiwasser-Schwimmen stellen.

Ihr seht selbst, nach einen erfolgreich gefinishten Mitteldistanz gibt es trotzdem immer noch viel zu tun.